Ein Friedensengel
Der GMD, unser Mann fürs Grobe? Zweieinhalb Jahre nach dem Antritt Donald Runnicles’ an der Deutschen Oper hat man den schottischen Dirigenten als zupackenden, abgestandene Stücke aufrüttelnden Matador und Motivator seines Hauses schätzen gelernt. Andererseits beginnt man sich (nicht erst) angesichts der jüngsten Berliner «Lohengrin»-Premiere vor dem leicht hemdsärmeligen Temperament des 58-Jährigen zu fürchten.
Ruppig, zäh und vom Klangbild her tranig dirigiert Runnicles das Vorspiel zum ersten Akt. Hier changiert nichts.
Es fehlt an transparentem Prickeln und Glitzern. Die Einsätze des fulminanten Chors wackeln. Zwischentöne werden von einer Neigung zu grobkörnigem Dramatisieren verschluckt. Alle Hoffnungen, die Runnicles zunächst weckte, drohen an seinem dickfelligen Musikantentum zu zerbrechen – auch wenn das Orchester trennschärfer klingt als früher. Und zwar nicht nur bei diesem «Lohengrin», sondern auch beim allzu jovialen «Candide», einer straussisch breitgezogenen «Jenufa», einem drögen «Don Carlo» und den verklausulierten «Troyens». Runnicles ernüchtert durch den Grad einer pauschalen Berauschungsstrategie.
Am Abend der Premiere hält ausschließlich (der wenige Tage vor der ...
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Opernwelt Juni 2012
Rubrik: Im Focus, Seite 15
von Kai Luehrs-Kaiser
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