Menschliches Maß
Dreißig Jahre gingen ins Land, bis das weiße Haus im Essener Stadtpark endlich fertig war. Sein Urheber, der finnische Architekt Alvar Aalto, hat es nicht mehr gesehen. Als Aalto 1976 starb, «lebte» der plastische Bau mit der elegant gewellten Fassade und dem sanft ansteigenden Dach lediglich auf dem Papier. Den von der Kommune ausgeschriebenen Wettbewerb für ein neues Theater hatte Aalto im August 1959 glorios gewonnen. Mit einem Entwurf, der in Fachkreisen bereits als Geniestreich galt, als dessen Realisierung noch in den Sternen stand.
Vom Türgriff bis zur Bühnentechnik, vom Garderobentisch bis zu den Foyers ist hier jedes Detail aufeinander abgestimmt, nach den Prinzipien organischer Schlüssigkeit und formstrenger Funktionalität durchgestaltet. Mit den knallbunten Stilblüten der postmodernen Schauarchitektur, die gerade en vogue war, als der wie eine Skulptur in die Parklandschaft eingepasste Solitär 1988 mit Wagners «Meistersingern» eröffnet wurde, hatte Aalto so wenig im Sinn wie mit der Diktatur des rechten Winkels. Er misstraute den plakativen Gesten wie den kalten Symmetrien, sein Denken, seine Fantasie setzten dort an, wo sich die Qualität eines Baukörpers letztlich ...
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Rexroth: Ich möchte mit einer Frage an Gerd Albrecht beginnen. Sie sind viel in der Welt herumgekommen, unter anderem haben Sie lange in Japan gearbeitet und waren von 1993 bis 1996 Chef der Tschechischen Philharmonie in Prag. Sind Sie im Ausland als deutscher Dirigent in einer führenden Position wahrgenommen worden, haben Sie sich als deutscher Künstler empfunden?
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Der Sommer hatte soeben begonnen, da geschah das kleine Wunder: Im Seegebiet vor Rügens Kap Arkona wurde ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal gesichtet. Ein Ornithologe habe das Tier zwei Stunden lang beobachtet und auf seiner verirrten Bahn durch das Meer verfolgt, hieß es in einem Zeitungsbericht. Warum er es tat, erklärte uns Unwissenden hernach ein richtiger...
