Menschliches Maß
Dreißig Jahre gingen ins Land, bis das weiße Haus im Essener Stadtpark endlich fertig war. Sein Urheber, der finnische Architekt Alvar Aalto, hat es nicht mehr gesehen. Als Aalto 1976 starb, «lebte» der plastische Bau mit der elegant gewellten Fassade und dem sanft ansteigenden Dach lediglich auf dem Papier. Den von der Kommune ausgeschriebenen Wettbewerb für ein neues Theater hatte Aalto im August 1959 glorios gewonnen. Mit einem Entwurf, der in Fachkreisen bereits als Geniestreich galt, als dessen Realisierung noch in den Sternen stand.
Vom Türgriff bis zur Bühnentechnik, vom Garderobentisch bis zu den Foyers ist hier jedes Detail aufeinander abgestimmt, nach den Prinzipien organischer Schlüssigkeit und formstrenger Funktionalität durchgestaltet. Mit den knallbunten Stilblüten der postmodernen Schauarchitektur, die gerade en vogue war, als der wie eine Skulptur in die Parklandschaft eingepasste Solitär 1988 mit Wagners «Meistersingern» eröffnet wurde, hatte Aalto so wenig im Sinn wie mit der Diktatur des rechten Winkels. Er misstraute den plakativen Gesten wie den kalten Symmetrien, sein Denken, seine Fantasie setzten dort an, wo sich die Qualität eines Baukörpers letztlich ...
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Schon die Gattungsbezeichnung überraschte: Eine «Konzertoper» nannte Hans Werner Henze sein (vielleicht?) finales Musiktheaterwerk, das er komponierte, obwohl er zuvor glaubhaft versichert hatte, «L’Upupa und der Triumph der Sohnesliebe», 2003 in Salzburg uraufgeführt, sei seine letzte Oper. Dass dieser «Wortbruch» sich als glückliche Fügung erwies, wurde...
Ich hatte das Glück, als Schüler von Walter Braunfels und Freund seiner Familie von 1937 bis 1943 das Entstehen der Oper über die Heilige Johanna aus unmittelbarer Nähe zu erleben. Diese Erlebnisse haben mich als werdenden Musiker tief geprägt und sind mir bis heute stets lebendig gegenwärtig. Als Schüler des Gymnasiums der Schule Schloss Salem befreundete ich...
«... und wir Männer ersehen aus diesem Stücke, wie wir durch die Weiber, im günstigsten Falle, zu Grunde gehn.» Mit diesem ironisch-zynischen Resümee beschließt Heinrich Heine in den «Memoiren des Herrn von Schnabelewopski» die Geschichte vom Fliegenden Holländer, die Wagner zu seiner gleichnamigen «Romantischen Oper» inspirierte. Heines wahrlich witziges Paradoxon...
