«Man sieht das Wirkliche»
Herr Harnoncourt, Sie beschäftigen sich seit Jahrzehnten mit dem Werk Mozarts. Was ist für Sie die größte Herausforderung, wenn Sie sich auf eine neue Produktion wie den «Idomeneo» vorbereiten?
Ich möchte die Grundidee des Komponisten jedes Mal wieder neu finden. Der Grazer «Idomeneo» ist mein dritter Anlauf zu diesem Stück, es gibt kaum eine Oper Mozarts, die ich nur einmal gemacht habe. Übrigens ist Mozart für mich wahrscheinlich der einzige Komponist, der immer Theatermusik schreibt.
Ich fand schon seit jeher in jeder Violinsonate, in jeder Kammermusik, in jeder Sinfonie Musiktheater. Insofern kann ich bei Mozart Oper von Instrumentalmusik nicht trennen.
Sind die Opern Mozarts – weil hier das Theater sichtbar ist – leichter zu interpretieren als seine Instrumentalmusik?
Wahrscheinlich ja, das Szenische hilft. Selbst wenn man es konzertant macht, hilft die Textierung – man kann erkennen, ob sie durch die Musik unterstützt wird oder ob es Subtexte gibt, was bei Mozart sehr oft der Fall ist. Im Gegensatz zum Sprechtheater kann ich in der Musik einen Text und zugleich zwei, drei Subtexte vermitteln. Wenn man das nicht erkennt, entsteht eine Orchesterbegleitung und so ein die Idee der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Vermutlich nie zuvor gab es ein Bühnenbild, das von so vielen Menschen gesehen wurde. Bei der Fußball-EM im vergangenen Juni nutzte das ZDF die Bregenzer Seebühnenoptik mit dem magischen blauen Riesenauge vor der dunklen Wand als Kulisse für die kommentierende Präsentation jenes Sportevents. Bereits in der Vorjahressaison hatten rund hunderttausend Besucher der...
Mozart ist für ihn der einzige Komponist, der immer Theatermusik schreibt. Mozart ist zeitlos. Und doch liegt die Grundidee seiner Werke nicht auf der Hand, man muss sie immer wieder neu finden. Mozart ist modern. Zeitlos modern. Weil er fast nur Themen behandelt, die den Menschen wirklich unter den Nägeln brennen – damals wie heute. Deshalb ist er auch der...
Der Sommer hatte soeben begonnen, da geschah das kleine Wunder: Im Seegebiet vor Rügens Kap Arkona wurde ein etwa zwölf Meter langer Buckelwal gesichtet. Ein Ornithologe habe das Tier zwei Stunden lang beobachtet und auf seiner verirrten Bahn durch das Meer verfolgt, hieß es in einem Zeitungsbericht. Warum er es tat, erklärte uns Unwissenden hernach ein richtiger...
