Mendelssohn Bartholdy: Der Onkel aus Boston
«Anleitung zum Unglücklichsein», so könnte das Stück heißen. Wie das Buch von Paul Watzlawick. Das ist die Konstellation in Felix Mendelssohn Bartholdys Oper «Der Onkel aus Boston». Der Onkel ist Vormund von Fanny. Er will sie verheiraten, doch sie hat sich unsterblich in Carl verliebt. Was tun? Nur nicht miteinander reden. Es beginnt eine turbulente Verwechslungskomödie, wobei sich am Ende herausstellt, dass der Onkel niemand anderen als Bräutigam im Sinn hatte als Fannys Geliebten, und doch wären beinahe alle unglücklich geworden.
Als Zuschauer wird man es tatsächlich in Kaiserslautern. Denn Regisseur Sven Severin macht eine Schmierenkomödie aus dem Stück. Es wird von einer Dilettantentruppe auf einem Kreuzfahrtschiff aufgeführt. Die Passagiere sitzen rechts und links neben dem Orchestergraben und langweilen sich mindestens so sehr wie das Kaiserslauterer Publikum. Der Onkel scheint ein seniler, militaristischer Einfaltspinsel zu sein, die Jugendlichen überdrehte Puppen. Am Ende gerät das Schiff in Seenot. Die Schauspieltruppe rettet sich – nun in Alltagsklamotten – in ein Gummiboot. Das hat alles mit dem Stück nichts zu tun, und was schlimmer ist: Die Regie denunziert ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Die französische Sopranistin Sylvie Valayre erzählt im Interview dieses Heftes eine Geschichte, die man erfinden müsste, wenn sie nicht passiert wäre. Sie sang an einem großen deutschen Opernhaus eine französische Arie vor. Natürlich in Originalsprache. Ein Assistent des (im Dunkeln anwesenden) Generalmusikdirektors kam hinter die Bühne und erklärte der Sängerin,...
Schwein oder nicht Schwein? Vor den Toren des Mecklenburgischen Staatstheaters in Schwerin ist die hamletisch angewehte Frage rasch geklärt. Ein Schweinehund sei dieser Don Giovanni, den man sogleich erleben werde, befinden zwei Damen nach Durchsicht des (im Übrigen lesenswerten) Programmbuchs. Betritt wenig später Mikael Babajanyan in azurblauem Samtgewand...
Geistergeschichte oder Psychodrama? Genau wie Britten diese Frage offen lässt, versucht auch Kiels Intendant Daniel Karasek in seiner Inszenierung der Kammeroper «The Turn of the Screw» keineswegs, eindeutige Antworten zu finden. Er erzählt das Stück ehrlich, dabei immer nah an der Musik, in klaren Bildern. Statt komplett ausgestatteter Bühnenräume stellt Norbert...
