Melancholie des Seins

Lehár: Giuditta STRASBOURG | OPÉRA NATIONAL DU RHIN

Opernwelt - Logo

Es war ein Ritterschlag. Franz Lehár, der von Zeitgenossen wie Karl Kraus oder Richard Strauss Geschmähte, durfte am 20. Jänner 1934 seine Uraufführung an der Wiener Staatsoper landen, dem musikalischen Musentempel schlechthin der alten k. u. k. Monarchie. Nicht Oper, nicht Operette: «Musikalische Komödie» hat der damals bald 64-Jährige sein letztes Bühnenwerk «Giuditta» untertitelt.

Ob die Autoren – das Libretto verfassten Paul Knepler und Fritz Löhner – damit auch auf die Gattungsbezeichnung des «Rosenkavalier» anspielten? Komödie für Musik? Gemein ist beiden Werken die Melancholie. In «Giuditta» findet die unglücklich verheiratete Titelheldin durch das Aufeinandertreffen mit dem Hauptmann Octavio zu ihrem selbstbestimmten Ich, zur inneren Freiheit. Die Beziehung scheitert, auch weil der Offizier seine Pflicht höher hält als seine Liebe. «Carmen» grüßt aus der Ferne. Doch niemand stirbt, nur die Liebe. Pierre-André Weitz empfindet das als besonders tragisch. Vergessen zu werden sei schlimmer als zu sterben, so laute Lehárs Botschaft, meint der Regisseur. Und in der Tat, genau diesem Schicksal ist das Werk immer wieder anheimgefallen, weil viele mit seiner Zwitterstellung nichts ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Bravissimo!

Iside, schöne, stolze Tochter des Flussgottes Inachos und verlobt mit dem ägyptischen König Osiris, ist, man kann es nicht anders sagen, sauer. Ach, was: Enragiert und fuchsteufelswild ist sie. Also schleudert sie ihre erklecklichen thymotischen Energien heraus wie eine Furie – so furios, dass wohl selbst Jupiter, oberster olympischer Casanova, lieber das Weite...

Der weise König

So, wie er dastand, baumlang, erhaben, unantastbar und würdevoll, wusste man im gleichen Moment: Dieser Mann, der anscheinend durch nichts aus der Ruhe zu bringen war, verdiente, nein: er gebot Respekt. Zur Rolle passte es. An diesem milden Frühlingsabend kurz vor der Jahrtausendwende sang und spielte Matti Salminen an der Deutschen Oper Berlin in Götz Friedrichs...

Amüsant

Schwör mir keine Treue, leist mir keinen Eid», singen Báron Pista und die Generalkonsulstochter Lya in einer der bekanntesten Nummern der «Frau von Format», die damals aus vielen Grammophonen tönte. 1927 kam die revueartige Operette am Berliner Theater des Westens heraus. Und natürlich ist weder Pista ein echter Baron noch Lyas Vater ein echter Generalkonsul: Wie...