Radikal frugal
Dieser Gounod legt die Axt an die Wurzel. «Uns interessierte vor allem die Leere», hieß es schon vor der Premiere, aber Bühnen- und Kostümbildner dürften doch andere Ambitionen gehabt haben als die Regisseurin. Es sei denn, sie arbeiten nicht gern. Viel zu tun gab es jedenfalls nicht für sie. Das Libretto sieht sechs Szenenwechsel vor – hier findet der Fünfakter in ein und derselben Kulisse statt: zwei Säulengänge in grauem Beton, die an Mussolinis römische Bauten erinnern und nicht an einen Palazzo in Verona.
Der erste Akt also ohne glänzend beleuchteten Festsaal, der zweite ohne den Pavillon im nächtlichen Garten, der dritte ohne Bruder Laurents Zelle, der vierte ohne Juliettes Kammer, der fünfte ohne das Grabmal der Capulets.
Verzichtbare Äußerlichkeiten vielleicht, schließlich ist manches davon in der Musik vernehmbar. Aber wozu dann überhaupt noch Bühne und Kostüme! Schicken wir doch die seit Jahrhunderten zur Operngattung gehörenden Gewerke in die Rente, geben wir doch die Einheit von Wort, Ton und Bild einfach preis! Dann erst würde sich uns das Wesentliche unverstellt erschließen, in diesem Falle die fatale, ausweglose Liebe zwischen Romeo und Julia. Glücklicherweise ...
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Opernwelt Juli 2025
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Volker Tarnow
Zwischen dem Sockel des Bronzeengels von Peter Anton van Verschaffelt und dem Straßenniveau liegen etwa 48 Meter. Kaum ein Körper, der von der Spitze der Engelsburg in Rom springt, würde unversehrt bleiben. Doch in der Opernwelt ist alles möglich, sogar dass eine der berühmtesten Selbstmörderinnen der Operngeschichte diesen Sprung überlebt. Floria liegt also auf...
Am Ende gibt es keinen filigranen Pinselstrich mehr, da greift sie flugs zur breiten Borste. Mit fettem Schwarz übertüncht Senta ihr Gemälde, und parallel dazu färbt sich der heruntergelassene Gaze-Vorhang dunkel – auf dass nichts mehr zu sehen ist vom Holländer und der vierstöckigen Hochzeitstorte, vor der Matrosen und Gäste verröcheln, manche voller Blut; eine...
Die musikalische Magie der letzten Szene wirkt immer. Zunächst nimmt die hohe Feenwelt mit ihrem wundersam galanten, überirdisch in Fis-Dur glitzernden Prozessionsmarsch Abschied: Oberon, Tytania und auch ihr ganzer Hofstaat, hier blitzsauber gesungen und witzig dargestellt von den hervorragenden Kindern der Singschul’ der Oper Graz. Man will sie ob der...
