«Mein Stück hat mich sehr gequält»

Dank einer editorischen Großtat liegt Gounods «Faust» erstmals im Urzustand des Jahres 1858 vor

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«Das ist vom Anfang bis zum Ende eine reizvolle Einlegearbeit, ein glanzvolles Mosaik», schrieb der gestrenge Léon Escudier nach der Premiere von Gounods «Faust» in «La France musicale» vom 27. März 1859. Da aber war das Stück bereits nach tausend Kämpfen drastisch gekürzt, und es sollte unter der launischen Herrschaft des bizarr-genialen Direktors des Théâtre Lyrique Léon Carvalho auch in der Folge nicht zu einer wirklich konsistenten Werkgestalt gelangen.

Erst mit dem Wechsel an die Opéra im Jahr 1869 endete die Geschichte seiner Wandlungen, die zugleich die Geschichte der Transformation einer «Opéra comique de demi-caractère» in eine Grand Opéra war, ohne dass doch deren Höhenlage wirklich erreicht werden konnte.

Keine klassische Intrige, stattdessen ein überbordender, fantastischer Bilderbogen: Das trieb das brave, populäre Genre der Opéra-comique an seine Grenzen und über diese hinaus. «Mein Stück hat mich schon sehr gequält. Dringend muss ich jetzt einen Überblick über seine Architektur gewinnen um zu wissen, ob es etwas taugt», schreibt der Komponist im Juli 1858, mitten in der Fertigstellung der Partitur. «Kompass» war ihm dabei eine Kopisten-Abschrift des (bereits ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Magazin, Seite 60
von Klaus Heinrich Kohrs

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