Damenwahl

Sowohl Finnlands als auch Norwegens Nationaloper werden von international renommierten Sängerinnen geleitet – in der Krise entpuppen sich die Weltläufigkeit und der gutgelaunte Pragmatismus von Lilli Paasikivi und Randi Stene als strategischer Vorteil

Opernwelt - Logo

Nah am Wasser gebaut sind sie alle. Und sie lenken den Blick ins Offene, gen Meer, Wellenschlag und Eis: Die Prachtgemäuer der skandinavischen Melomanen, wie sie in Helsinki und Oslo stehen, feiern sich nicht in selbstreferenzieller, bildungsbürgerlicher und selten wirklich welthaltiger Erhabenheit.

Denn es sind genuin demokratische Orte, allesamt eröffnet um die Jahrtausendwende, als man längst keine bloß um den roten Samt reduzierten, modernen Kopien des italienischen Logentheaters (hinter dem sich in vielen Details seine aristokratische Legitimation verbarg) mehr schaffen wollte, sondern Begegnungsorte, die der Vergewisserung heutiger Gesellschaften dienen sollten. Die sind idealiter eher divers als standesdünkelig, lieber integrativ als exklusiv. Sie beziehen sich auf ihre Umwelt (die naturgegeben flüssige wie die städtische), die ihrerseits schon seit Jahrhunderten eine Multikulti-Realität ausprägt. Die zweisprachigen Straßenschilder in Helsinki zeugen davon so sehr wie die Übertexte im Saal und die Essays im Programmheft, die an der Finnischen Nationaloper auf Finnisch und Schwedisch (den beiden Amtssprachen des Landes) sowie auf Englisch abgefasst sind.

Weltläufigkeit und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 20
von Peter Krause

Weitere Beiträge
Eine deutsche Buffa

Wer diese Ersteinspielung von Goethes Singspiel «Scherz, List und Rache» in der Vertonung Philipp Christoph Kaysers (1755–1823) hört, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Mehr als 200 Jahre lag die Partitur unbeachtet im Zürcher Nachlass des Komponisten vergraben, bis Hermann Dechant sie 1993 radikal gekürzt und in reduzierter Instrumentation erstmals im...

Auratisch

Eine «Oper in italienischer Sprache» nennt Pascal Dusapin «Passion», sein sechstes Bühnenwerk. Doch trifft dieser Untertitel wirklich den Kern des 75-Minuten-Opus, das sich zwar auch als Kommentar zu Monteverdi und dem Mythos von Orpheus und Eurydike verstehen lässt, seinen Sog aber aus den sanft verfließenden Farben wundersamer Klangbilder bezieht, die letztlich...

(Fast) alles vom Feinsten

Eine Oper? Ein Oratorium? Schwer zu sagen. Händels «Semele» ist beides und beides irgendwie auch nicht. Die Schubladen sind zu schmal, um diese erste abendfüllende Oper in englischer Sprache hineinzuzwängen. Ganz bewusst entschied sich der Komponist, als er das Werk 1743 aufs Papier warf, für eine Synthese aus gleich mehreren Gattungen, die dem damaligen...