Damenwahl

Sowohl Finnlands als auch Norwegens Nationaloper werden von international renommierten Sängerinnen geleitet – in der Krise entpuppen sich die Weltläufigkeit und der gutgelaunte Pragmatismus von Lilli Paasikivi und Randi Stene als strategischer Vorteil

Nah am Wasser gebaut sind sie alle. Und sie lenken den Blick ins Offene, gen Meer, Wellenschlag und Eis: Die Prachtgemäuer der skandinavischen Melomanen, wie sie in Helsinki und Oslo stehen, feiern sich nicht in selbstreferenzieller, bildungsbürgerlicher und selten wirklich welthaltiger Erhabenheit.

Denn es sind genuin demokratische Orte, allesamt eröffnet um die Jahrtausendwende, als man längst keine bloß um den roten Samt reduzierten, modernen Kopien des italienischen Logentheaters (hinter dem sich in vielen Details seine aristokratische Legitimation verbarg) mehr schaffen wollte, sondern Begegnungsorte, die der Vergewisserung heutiger Gesellschaften dienen sollten. Die sind idealiter eher divers als standesdünkelig, lieber integrativ als exklusiv. Sie beziehen sich auf ihre Umwelt (die naturgegeben flüssige wie die städtische), die ihrerseits schon seit Jahrhunderten eine Multikulti-Realität ausprägt. Die zweisprachigen Straßenschilder in Helsinki zeugen davon so sehr wie die Übertexte im Saal und die Essays im Programmheft, die an der Finnischen Nationaloper auf Finnisch und Schwedisch (den beiden Amtssprachen des Landes) sowie auf Englisch abgefasst sind.

Weltläufigkeit und ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Focus Spezial, Seite 20
von Peter Krause

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