Eine deutsche Buffa

Werner Ehrhardt nimmt sich Philipp Christoph Kaysers zu Unrecht vergessener Vertonung von Goethes «Scherz, List und Rache» an – 232 Jahre nach ihrer Entstehung

Wer diese Ersteinspielung von Goethes Singspiel «Scherz, List und Rache» in der Vertonung Philipp Christoph Kaysers (1755–1823) hört, kommt aus dem Staunen nicht heraus. Mehr als 200 Jahre lag die Partitur unbeachtet im Zürcher Nachlass des Komponisten vergraben, bis Hermann Dechant sie 1993 radikal gekürzt und in reduzierter Instrumentation erstmals im Liebhabertheater Charlotte von Steins auf Schloss Kochberg zur Aufführung brachte und anschließend einen Klavierauszug herausgab.

Ein weiteres Vierteljahrhundert sollte vergehen, ehe der mit einem untrüglichen Entdeckersinn begabte Dirigent Werner Ehrhardt sich 2019 des musikalischen Juwels, noch immer kräftig gekürzt, in einer halbszenischen Präsentation in Leverkusen annahm (siehe OW 1/2020). Es war Goethes ehrgeizigstes Opernprojekt. Dass der Versuch einer deutschen Buffa, in der gesungene Rezitative die sonst im Singspiel üblichen Prosadialoge ersetzen sollten, scheiterte und gar nicht erst die Bühne erreichte, dafür hat man stets den angeblich von seiner Aufgabe überforderten Kayser verantwortlich gemacht. Dabei war es eher umgekehrt. Goethes facettenreiches Dreipersonen-Intermezzo nach dem Vorbild von Pergolesis «La serva ...

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Opernwelt Januar 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Uwe Schweikert

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