Mein lieber Pfau!
Im Theater stehlen echte Tiere auf der Bühne den Menschen zuverlässig die Schau. Allerdings protestieren zunehmend Tierschützer gegen den Einsatz der unfreiwilligen Bühnenstars. Menschen in Tierkostümen dagegen kommen heute fast nur noch in Kinderstücken vor. Und da, wo sie im Erwachsenen-Theater verlangt sind – etwa bei Janáčeks «Schlauem Füchslein» – widerstehen Regie und Kostümdesign in der Regel der Versuchung märchenhafter Opulenz und stellen die Figuren ohne Fuchsschwänze oder Bärenfelle auf die Bühne.
Was das ungeklärte Verhältnis zwischen Bühnen-Mensch und -Tier aber auch nicht löst.
Nelly Danker erstaunt in Hagen nun mit einer kuriosen Idee für Wagners «Lohengrin»: Die Regisseurin steckt das gesamte Personal in Vogelkostüme. Da ist in Fragen der Zuordnung ornithologischer Sachverstand gefragt, aber zum Glück bietet das Programmheft Hilfestellung. Trotzdem ist es gar nicht so leicht, die schematisierten Zeichnungen aus den zoologischen Fachbüchern mit Amélie Sators überzeichnenden Textilien abzugleichen. Klar: Lohengrin mit blauer Kappe, wippenden Fühlern und Schleppe ist ein Pfau, aber Elsa ganz in Weiß? Eine Taube, von der ja immerhin später in der Gralserzählung noch ...
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Opernwelt April 2024
Rubrik: Panorama, Seite 56
von Regine Müller
Turandot war sein Schicksal. Nicht aber die eisgekühlte Prinzessin dieses Namens, sondern Giacomo Puccinis unvollendete Oper. Mit ihrer Vervollständigung wurde Franco Alfano nach dem Tod des Komponistenkol -legen 1924 beauftragt, allein, großes Glück war ihm nicht beschieden. Seine erste Version (nach Skizzen Puccinis) fegte der Uraufführungsdirigent Arturo...
Und die Moral von der Geschicht’: Auch wenn die Karriere lockt (und vielleicht ein anderer Mann), auch wenn die Fremde Neues und Aufregendes überm Tellerrand verheißt – am schönsten ist es doch im Dorf bei Franjo. Wo es munter trachtelt und fröhlich Sonne, Blumen und Wälder besungen werden. Lange vor dem Urknall der Emanzipation ist dieses Stück entstanden, wie so...
Auf Gottes Geheiß soll ein alternder Vater seinen Sohn opfern. Alttestamentarische Wucht und Gewalt eines strafenden Gottes mag man mit dem unbarmherzigen Gebot assoziieren. Doch es ist die noch viel weiter zurückreichende Macht des Schicksals der griechischen Antike, die in Mozarts jugendfrisch-kühnem Geniestreich von 1781 zunächst noch einmal beschworen wird. In...
