Mehr Machwerk, bitte!

Eleonore Büning über Entstehung, Deutung und Bedeutung von Wolfgang Rihms «Dionysos», einer «Opernphantasie», uraufgeführt bei den Salzburger Festspielen

Opernwelt - Logo

Die Oper befindet sich in Auflösung, seit über hundert Jahren, und sie erfindet sich dabei immer wieder neu. Letzteres ist beruhigend zu wissen. Wird aber bei der Moderation der Krisengespräche in den Feuilletons oft vergessen oder gar unterschlagen. Und auch das für die Nachwelt fraglos nützliche Kategorisieren, Sortieren und Hierarchisieren nach Künstleroper, Literaturoper, Zeitoper etc., wie die Musikwissenschaftler es betreiben, geht eher von einem Endzeitgedanken aus, als dass es den Blick in die Gegenwart oder gar Zukunft richtete. Anders die Komponisten.

Deren Verhältnis zu dem unmöglichen Kunstwerk Oper, diesem Unding oder Hybrid oder gattungstheoretisch definitionsresistenten Zwitter, war noch zu keiner Zeit von Krisenbewusstsein getrübt. Es war und ist ein pragmatisches. Komponisten komponieren. Und wenn sie damit fertig sind, früher oder später, dann taufen sie das Werk Handlung in Musik («Tris­tan», 1865) oder Melodramma («Tosca», 1900) oder Drama mit Musik («Glückliche Hand», 1910) oder Komödie mit Musik («Rosenkavalier», 1911) und so weiter; manche, beispielsweise Berg, Britten oder Reimann, sagten der Einfachheit halber wieder Oper (was ja wörtlich Werk bedeutet, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2011
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 28
von Eleonore Büning

Weitere Beiträge
Opernhaus des Jahres

Eine so vielseitige Spielzeit hat selbst Gerard Mortier in Brüssel nur selten hinbekommen: Neben der Uraufführung von Hosokawas «Matsukaze» (szenisch betreut von Sasha Waltz) sorgte La Monnaie 2010/11 für die glanzvolle Rehabilitierung von Meyerbeers «Les Hugue­nots»; Andrea Breth setzte sich erstmals mit Janácek auseinander; Romeo Castellucci gestaltete den...

Dunst über Bayreuth

Herr Bermbach, Ihr Band über die Wagner-Rezeption in Deutschland bildet den Abschluss einer Trilogie. War das von Anfang an so geplant?

Meine erste Buch-Veröffentlichung zu Wagner war 1994 ein Taschenbuch: «Der Wahn des Gesamtkunstwerks». Entstanden ist es während eines Freisemesters innerhalb von drei Monaten. Nach dessen Abschluss war mir schnell klar geworden,...

«Die Leidtragenden sind die Sänger»

Herr Klobucar, Sie haben an der Wiener Staatsoper 1133 Vorstellungen dirigiert. Sie gelten als Rekordhalter. Hat sich die Treue rentiert?

Eigentlich nicht (lacht). Ich habe wegen Wien viele andere Sachen abgesagt. An der Metropolitan Opera hätte ich viel mehr Wagner dirigieren können. Auch «Cavalleria rusticana» – und das noch dazu in der italienischsten Oper der...