Mehr Fantasy, bitte
Schon die Zeitgenossen des Komponisten hatten mit diesem als «große romantische Oper» annoncierten Werk ihre liebe Not. Nicht, dass die Musik der 1823 am Wiener Kärntnertortheater uraufgeführten «Euryanthe» enttäuscht hätte. Der Dreiakter bietet attraktives, anspruchsvolles Material für die Solisten wie für das Orchester.
Aber war das, was Carl Maria von Weber da zwei Jahre nach dem «Freischütz» vorgelegt hatte, wirklich eine Oper? Bis heute stellt «Euryanthe» Intendanten, Regisseure und Bühnengestalter vor gewaltige Probleme, auf eine szenische Auseinandersetzung lässt sich kaum jemand ein. Die letzten Versuche unternahmen Leon Botstein am Richard B. Fisher Center for the Performing Arts des Bard College im amerikanischen Annandale (siehe OW 9-10/2014) und die Oper Frankfurt (siehe OW 6/2015). Am Hudson wie am Main hatte man sich entschlossen, die um das Jahr 1110 angesiedelte Geschichte in eine andere Zeit zu verlegen: in die Viktorianische Epoche (Annandale) respektive in die von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder geprägten frühen Jahre der Bundesrepublik (Frankfurt). Die Regisseure – Kevin Newbury bzw. Johannes Erath – hatten zudem die Idee, eine in der Oper lediglich als Geist ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Essay, Seite 44
von Sabine Henze-Döhring
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