Vertraue dem Orchester!
Den Titel «Gewandhauskapellmeister» gibt es immer noch. In den bisher stürmischsten Zeiten des Orchesters trug ihn Kurt Masur, zu Recht. Kapellmeister – das ist ein Ehrentitel, die Übersetzung des italienischen «Maestro di cappella». Es gibt ihn also nicht, den von den Medien immer wieder herbeigeredeten Qualitätsunterschied zwischen «Maestro» und «Kapellmeister». Und Kurt Masur war viel mehr als das: Wir haben auch den Hausvater eines Konzerthauses verloren, das ohne ihn nie gebaut worden wäre: das neue Leipziger Gewandhaus.
Und einen der entscheidenden Väter der Friedlichkeit der Revolution von 1989.
Wir begegneten uns vielfältig: In meiner Studienzeit pilgerte ich zur Komischen Oper nach Berlin, um die Produktionen Walter Felsensteins zu sehen und Kurt Masur am Pult zu erleben. Produktionen wie «Otello», den Masur dirigierte. Es waren unvergessliche Abende. Er rettete mich vor meinem ersten politischen Verfahren, als ich Händels «Messias» in einer in der DDR nicht genehmigten Übersetzung aufführen und die Stadt Leipzig die Aufführung verbieten wollte. Aus meiner Stasi-Akte habe ich erst spät erfahren, dass er auch intervenierte, als es um die Besetzung der Dirigentenstelle an der ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Hartmut Haenchen
Obwohl sie nicht wirklich ein Repertoirestück geworden ist wie «Norma» oder «La sonnambula», gibt es von Bellinis (nicht auf Shakespeare, sondern auf Matteo Bandellos Novelle zurückgreifender) Romeo-und-Julia-Version «I Capuleti e i Montecchi» nicht weniger als 20 Aufnahmen. Bei den meisten handelt es sich um Live-Mitschnitte, der letzte (mit Anna Netrebko und...
In der Kürze liegt die Würze, meint das Sprichwort. Die Engländer sagen’s ebenso prägnant, schließlich ist Shakespeare der Urheber der Wendung: «Brevity is the soul of wit», weiß Polonius in «Hamlet». Händel muss das Prinzip gekannt haben, als er seine Oper «Partenope» schrieb, die 1729 im King’s Theatre, Haymarket, uraufgeführt wurde: An Stelle von langwierigen,...
Welk sind die Blätter, Eis deckt die Seen, traurig ziehen die Vögel gen Süden. Traurig, denn der Norden ist ihre Heimat, seinem Himmel gilt ihre Sehnsucht. Jean Sibelius veröffentlichte das Lied «Norden» im Jahr 1917 als erstes seiner sechs Lieder op. 90. Ein schwedisches Gedicht seines Lieblingsautors Johan Ludvig Runeberg liegt ihm zugrunde. Es steht für alles,...
