Vertraue dem Orchester!
Den Titel «Gewandhauskapellmeister» gibt es immer noch. In den bisher stürmischsten Zeiten des Orchesters trug ihn Kurt Masur, zu Recht. Kapellmeister – das ist ein Ehrentitel, die Übersetzung des italienischen «Maestro di cappella». Es gibt ihn also nicht, den von den Medien immer wieder herbeigeredeten Qualitätsunterschied zwischen «Maestro» und «Kapellmeister». Und Kurt Masur war viel mehr als das: Wir haben auch den Hausvater eines Konzerthauses verloren, das ohne ihn nie gebaut worden wäre: das neue Leipziger Gewandhaus.
Und einen der entscheidenden Väter der Friedlichkeit der Revolution von 1989.
Wir begegneten uns vielfältig: In meiner Studienzeit pilgerte ich zur Komischen Oper nach Berlin, um die Produktionen Walter Felsensteins zu sehen und Kurt Masur am Pult zu erleben. Produktionen wie «Otello», den Masur dirigierte. Es waren unvergessliche Abende. Er rettete mich vor meinem ersten politischen Verfahren, als ich Händels «Messias» in einer in der DDR nicht genehmigten Übersetzung aufführen und die Stadt Leipzig die Aufführung verbieten wollte. Aus meiner Stasi-Akte habe ich erst spät erfahren, dass er auch intervenierte, als es um die Besetzung der Dirigentenstelle an der ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Hartmut Haenchen
Als Goethe 1824 «Tancredi», Rossinis ersten Welterfolg, in Weimar sah, störte er sich an der «hohlen Prätention einer heroischen Oper»: «Wenn nur keine Helme, Harnische, Waffen und Trophäen auf dem Theater erschienen wären»! Was Cordula Däuper jetzt in Mannheim mit dem selten gespielten Stück angestellt hat, hätte Goethe wohl gefallen. Sie vertraut dem...
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende...
Schon die Zeitgenossen des Komponisten hatten mit diesem als «große romantische Oper» annoncierten Werk ihre liebe Not. Nicht, dass die Musik der 1823 am Wiener Kärntnertortheater uraufgeführten «Euryanthe» enttäuscht hätte. Der Dreiakter bietet attraktives, anspruchsvolles Material für die Solisten wie für das Orchester. Aber war das, was Carl Maria von Weber da...
