Heikle Balance
Wayne, Sie sind ursprünglich Tastenkünstler, dirigieren aber längst mehr, als Sie spielen. Wie kam’s zu diesem Sinneswandel?
Den habe ich wohl Simon Rattle zu verdanken. Eigentlich dachte ich, ich lande als Organist an einer englischen Kathedrale. Doch 1986 nahm mich meine Schwester als Begleiter für ein Vorsingen mit nach Glyndebourne, wo Simon «Porgy and Bess» vorbereitete. Zufällig war die Partie des Bühnenpianisten Jazzbo Brown noch nicht besetzt. Ich spielte vor, bekam die Rolle und heuerte als Korrepetitor an.
Eines Tages bemerkte Simon: «Wetten, dass du in ein paar Jahren dirigierst?» Er erkenne das an meiner Art zu spielen. Geschickte Finger reichen ja nicht als Korrepetitor. Man braucht sinfonisches Gespür, muss das Orchester sein. So fing es an.
«Carmen Jones», «Porgy and Bess», «West Side Story», «Candide», «Mahagonny», «Dead Man Walking» – Ihr Opernrepertoire ist sehr spezifisch.
Dass ich bisher keine Mainstream-Stücke dirigiert habe – obwohl ich von «Tosca», «La Bohème» oder «Eugen Onegin» träume! – hat zum Teil damit zu tun, dass ich leider keine Fremdsprachen spreche. Aber vor allem haben mich die amerikanischen Klassiker schon immer fasziniert. Als ich acht war, ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff
Obwohl sie nicht wirklich ein Repertoirestück geworden ist wie «Norma» oder «La sonnambula», gibt es von Bellinis (nicht auf Shakespeare, sondern auf Matteo Bandellos Novelle zurückgreifender) Romeo-und-Julia-Version «I Capuleti e i Montecchi» nicht weniger als 20 Aufnahmen. Bei den meisten handelt es sich um Live-Mitschnitte, der letzte (mit Anna Netrebko und...
In der Kürze liegt die Würze, meint das Sprichwort. Die Engländer sagen’s ebenso prägnant, schließlich ist Shakespeare der Urheber der Wendung: «Brevity is the soul of wit», weiß Polonius in «Hamlet». Händel muss das Prinzip gekannt haben, als er seine Oper «Partenope» schrieb, die 1729 im King’s Theatre, Haymarket, uraufgeführt wurde: An Stelle von langwierigen,...
Herr Trumpet, ich wusste gar nicht, dass Sie sich für Oper interessieren.
Ich bitte Sie, nicht so förmlich! Für Sie einfach Donald oder Don. Doch, doch, ich bin ein Riesen-Opernfan. Da muss ich gleich an Andrea Bocelli denken: So ein lieber Mensch, schaut gut aus – und diese grandiose Stimme! Auf meiner fünften Hochzeit hat er gesungen, damals in der...
