Heikle Balance
Wayne, Sie sind ursprünglich Tastenkünstler, dirigieren aber längst mehr, als Sie spielen. Wie kam’s zu diesem Sinneswandel?
Den habe ich wohl Simon Rattle zu verdanken. Eigentlich dachte ich, ich lande als Organist an einer englischen Kathedrale. Doch 1986 nahm mich meine Schwester als Begleiter für ein Vorsingen mit nach Glyndebourne, wo Simon «Porgy and Bess» vorbereitete. Zufällig war die Partie des Bühnenpianisten Jazzbo Brown noch nicht besetzt. Ich spielte vor, bekam die Rolle und heuerte als Korrepetitor an.
Eines Tages bemerkte Simon: «Wetten, dass du in ein paar Jahren dirigierst?» Er erkenne das an meiner Art zu spielen. Geschickte Finger reichen ja nicht als Korrepetitor. Man braucht sinfonisches Gespür, muss das Orchester sein. So fing es an.
«Carmen Jones», «Porgy and Bess», «West Side Story», «Candide», «Mahagonny», «Dead Man Walking» – Ihr Opernrepertoire ist sehr spezifisch.
Dass ich bisher keine Mainstream-Stücke dirigiert habe – obwohl ich von «Tosca», «La Bohème» oder «Eugen Onegin» träume! – hat zum Teil damit zu tun, dass ich leider keine Fremdsprachen spreche. Aber vor allem haben mich die amerikanischen Klassiker schon immer fasziniert. Als ich acht war, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 18
von Wiebke Roloff
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende...
«Begeisterung»? Zu wenig. Auch mit «Fanatismus, Enthusiasmus» komme man nicht weiter. Der Neffe versicherte dem Onkel, «dass keiner dieser Begriffe das Entzücken ausdrücken kann, das diese Musik erregt hat». Nun dürfte der Neffe nicht sonderlich objektiv gewesen sein: Vincenzo Bellini selbst war der Absender, und der Brief kreiste um seine gerade uraufgeführte Oper...
Als Goethe 1824 «Tancredi», Rossinis ersten Welterfolg, in Weimar sah, störte er sich an der «hohlen Prätention einer heroischen Oper»: «Wenn nur keine Helme, Harnische, Waffen und Trophäen auf dem Theater erschienen wären»! Was Cordula Däuper jetzt in Mannheim mit dem selten gespielten Stück angestellt hat, hätte Goethe wohl gefallen. Sie vertraut dem...
