Maximal sinnenfreudig
Mit Antonio Cestis «L’Orontea», einem Stück über die Liebesirrungen und -wirrungen rund um die titelgebende ägyptische Königin, hat die Frankfurter Oper 2015 eine der erfolgreichsten Opern des 17. Jahrhunderts auf die moderne Bühne geholt und große Resonanz bei Publikum wie Kritik gefunden (OW 3/2015).
Dass die Begeisterung, die diese Aufführung auslöste, nicht vor allem auf der maximal sinnenfreudigen Inszenierung Walter Sutcliffes beruhte, sondern wesentlich von der musikalischen Realisierung getragen wurde, dokumentiert der jetzt erschienene Mitschnitt, der aus der ersten Aufführungsserie zusammengestellt wurde. Er bietet eine spannende Alternative zur Erstaufnahme des Werks, die René Jacobs 1982 vorgelegt hatte.
Eine wichtige Voraussetzung für die hohe Qualität ist das Vertrauen des Produktionsteams in Cestis Musik. Die Aufführung kommt fast ohne Striche aus, was bei einem Werk von rund drei Stunden Dauer, deren bei Weitem größter Teil als facettenreicher Sprechgesang komponiert ist, eine große Herausforderung für die Ausführenden darstellt. Das Frankfurter Opernensemble, ergänzt um die beiden Countertenöre Xavier Sabata (Alidoro) und Matthias Rexroth (Corindo) sowie den schon ...
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Opernwelt Mai 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Thomas Seedorf
Kann Oper eigentlich cool sein? Kann der überhöhte und überhöhende Tonfall des «unmöglichen Kunstwerks» (Oscar Bie) die gewollte Lässigkeit und rotzige Lakonie Heranwachsender einfangen? Oder ist Oper – zumindest in ihrer traditionellen Spielart mit klassisch ausgebildeten, gestützten und vibrierenden Stimmen – nicht tatsächlich das schiere Gegenteil von cool?...
Wer war Balzacs Trompe-la-Mort? Durch sechs Teile der «Comédie humaine» geistert der Täuscher, Namen, und Kleider ändernd, selbst sein Gesicht bleibt nicht dasselbe. Jetzt hat der Komponist Luca Francesconi die Figur aus Balzacs epochalem Sittengemälde zur Schlüsselfigur seiner neuesten Schöpfung gemacht.
Ein auf lakonische Weise fesselndes Werk ist es geworden....
Strauss? Ist das nicht der mit den Neujahrskonzerten? Schön, dass bei uns jetzt eine Oper von dem gemacht wird. «Ariadne auf Naxos»? Gab’s noch nie in Bodø. Wo, bitte schön? Na, oben in Nordland, zwischen Saltfjorden und Landegodefjorden. Bis zum Polarkreis rauf und dann noch mal 120 Kilometer Luftlinie.
Nicht nur für den Lokalreporter aus der abgelegenen...
