Maskeraden
Mit der «Originalität» von Kunstwerken ist es so eine Sache. Jedenfalls, wenn darunter etwas Solitäres, ein aus Geschichte und Kontext herausgesprengter Geniestreich verstanden wird, finite Setzung eines autonomen Schöpfergeistes. Werke – das waren für Luciano Berio keine ein für allemal in Stein gemeißelten Monumente, sondern offene Gebilde, Organismen mit uneinholbarem Vor- und Nachleben. Deshalb hatten in seinem kompositorischen Denken und Œuvre «eigene» Arbeiten den gleichen Stellenwert wie die Überschreibung «fremder» Vorlagen.
Ob Berio sein Material nun bei Boccherini, Bach, Brahms, Mahler oder de Falla, in der Volksmusik Europas und Amerikas oder in Beatles-Songs fand, immer spricht da ein hellhörig kommentierender Übersetzer, der aus Liebe zum Gegenstand – hier mit breitem Strich, dort mit feinem Humor – zwischen Zeiten, Genres und Stilen vermittelt.
«Transformation» – der Titel des Programms, das Ivor Bolton 2018 mit dem Sinfonieorchester Basel eingespielt hat, trifft die künstlerische Haltung hinter den hier versammelten Stücken genau. Den unvollendeten «Contrapunctus XIX» aus der «Kunst der Fuge», für ein 23-köpfiges Kammerensemble gesetzt, in dem dunkle ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Albrecht Thiemann
Jubilare
John Treleaven absolvierte sein Gesangsstudium in London und Neapel. Anschließend trat der aus Cornwall stammende Tenor überwiegend in seiner britischen Heimat auf, etwa am Royal Opera House Covent Garden, wo er 1979 debütierte, an der Welsh National Opera, der Scottish National Opera und der English National Opera. Beim Edinburgh Festival war er als...
Was wir uns sparen können: die immer schon merkwürdige Diskussion, ob die Theater leer bleiben, wenn, was auf den Bühnen geschieht, im Netz zu sehen ist. «Video Killed the Radio Star» – das war schon 1979 falsch, als The Buggles damit ihr One-Hit-Wonder hatten. Nicht dass es in der Mediengeschichte keine Untergänge gäbe, doch die Sorge, dass die Orte verwaisen...
Die jüngste Produktion des Theaters für Niedersachsen musste unmittelbar vor der Premiere abgesagt werden. Ein ehrgeiziges Projekt: Die Barockspezialistin Sigrid T’Hooft hatte für Hildesheim Reinhard Keisers «Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus» inszeniert. Vor wenigen Jahren kursierten noch Schließungsgerüchte um das 600-Plätze-Haus. Dann machte...
