Maskeraden

Ivor Bolton und das Sinfonieorchester Basel huldigen dem Arrangeur Luciano Berio

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Mit der «Originalität» von Kunstwerken ist es so eine Sache. Jedenfalls, wenn darunter etwas Solitäres, ein aus Geschichte und Kontext herausgesprengter Geniestreich verstanden wird, finite Setzung eines autonomen Schöpfergeistes. Werke – das waren für Luciano Berio keine ein für allemal in Stein gemeißelten Monumente, sondern offene Gebilde, Organismen mit uneinholbarem Vor- und Nachleben. Deshalb hatten in seinem kompositorischen Denken und Œuvre «eigene» Arbeiten den gleichen Stellenwert wie die Überschreibung «fremder» Vorlagen.

Ob Berio sein Material nun bei Boccherini, Bach, Brahms, Mahler oder de Falla, in der Volksmusik Europas und Amerikas oder in Beatles-Songs fand, immer spricht da ein hellhörig kommentierender Übersetzer, der aus Liebe zum Gegenstand – hier mit breitem Strich, dort mit feinem Humor – zwischen Zeiten, Genres und Stilen vermittelt.

«Transformation» – der Titel des Programms, das Ivor Bolton 2018 mit dem Sinfonieorchester Basel eingespielt hat, trifft die künstlerische Haltung hinter den hier versammelten Stücken genau. Den unvollendeten «Contrapunctus XIX» aus der «Kunst der Fuge», für ein 23-köpfiges Kammerensemble gesetzt, in dem dunkle ...

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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Albrecht Thiemann

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