Maskeraden
Mit der «Originalität» von Kunstwerken ist es so eine Sache. Jedenfalls, wenn darunter etwas Solitäres, ein aus Geschichte und Kontext herausgesprengter Geniestreich verstanden wird, finite Setzung eines autonomen Schöpfergeistes. Werke – das waren für Luciano Berio keine ein für allemal in Stein gemeißelten Monumente, sondern offene Gebilde, Organismen mit uneinholbarem Vor- und Nachleben. Deshalb hatten in seinem kompositorischen Denken und Œuvre «eigene» Arbeiten den gleichen Stellenwert wie die Überschreibung «fremder» Vorlagen.
Ob Berio sein Material nun bei Boccherini, Bach, Brahms, Mahler oder de Falla, in der Volksmusik Europas und Amerikas oder in Beatles-Songs fand, immer spricht da ein hellhörig kommentierender Übersetzer, der aus Liebe zum Gegenstand – hier mit breitem Strich, dort mit feinem Humor – zwischen Zeiten, Genres und Stilen vermittelt.
«Transformation» – der Titel des Programms, das Ivor Bolton 2018 mit dem Sinfonieorchester Basel eingespielt hat, trifft die künstlerische Haltung hinter den hier versammelten Stücken genau. Den unvollendeten «Contrapunctus XIX» aus der «Kunst der Fuge», für ein 23-köpfiges Kammerensemble gesetzt, in dem dunkle ...
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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 36
von Albrecht Thiemann
Nadia (1887–1979) und Lili Boulanger (1893–1918) wuchsen in einem musikalischen Elternhaus auf – der Vater war Komponist und Gesangslehrer, die russische Mutter Sängerin. Beide Schwestern waren hochbegabt und komponierten von Jugend an. Lili erhielt 1913 als erste Frau den begehrten Rom-Preis des Pariser Conservatoire. Nadia, die nach Lilis Tod das Komponieren...
Die jüngste Produktion des Theaters für Niedersachsen musste unmittelbar vor der Premiere abgesagt werden. Ein ehrgeiziges Projekt: Die Barockspezialistin Sigrid T’Hooft hatte für Hildesheim Reinhard Keisers «Der hochmütige, gestürzte und wieder erhabene Croesus» inszeniert. Vor wenigen Jahren kursierten noch Schließungsgerüchte um das 600-Plätze-Haus. Dann machte...
Es war eine nette Bekanntschaft, die der weise alte Schauspieler und der junge Pianist gemacht hatten. Unbedingt wollten sie in Kontakt bleiben und sogar gemeinsame Projekte realisieren, was allerdings nicht einfach war, denn der berühmte Schauspieler war für einige Filme engagiert. Doch er, der Pianist, möge ihn oft per Mail erinnern. Und so schlug der 35-jährige...
