Frauenbilder

«Immortal Beloved»: Das Beethoven-Album von Chen Reiss ist interessanter als sein Titel

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Wer war sie eigentlich? Jene «unsterbliche Geliebte», die «angedachte Empfängerin eines der … berühmtesten … Briefe der Sentimental-Historie», wie der Autor Otto Brusatti das Schreiben in «Die 11 Begierden des Herrn Ludwig van» charakterisiert. War es Josephine Brunswick, Witwe und betriebsame Gefährtin zahlreicher Männer, mit der Beethoven angeblich ebenfalls ein Kind hatte? Eine Frage, die sich die israelische Sopranistin Chen Reiss bei ihrem Recital «Immortal Beloved» so konkret wohl eher nicht stellte.

Ihr ging es weniger um die historische Identität dieser einen, bestimmten Frau, sondern um das Frauenbild, das sich aus Beethovens Musik erschließt. Im Booklet bemerkt sie: «Diese Frauen streben nach Idealen wie Aufopferung und Mut, die ihnen in ihrer eigenen Zeit selten geboten wurden …»

Die Dramaturgie des Recitals ist also aus dieser Perspektive entwickelt. Interessant daran erscheint vor allem die musikhistorische und -ästhetische Seite, speziell die frühen, noch der Bonner Zeit zuzuordnenden Kompositionen. So etwa die Jubelarie «Fließe, Wonnezähre, fließe», die der 20-jährige Komponist aus Anlass der Thronbesteigung Kaiser Leopolds II. schrieb, ohne dass sie zur ...

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Opernwelt Juni 2020
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 32
von Gerhard Persché

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