Maskenbälle
Auch ausgewiesene Kenner von Gaetano Donizettis reichem Opernschaffen dürften von einer Opera buffa mit dem Titel «Le nozze in Villa» noch nie etwas gehört haben, einem Frühwerk des Komponisten, das nach der Uraufführung in Mantua (1819) und Reprisen in Treviso und Genua offenbar ganz in der Versenkung verschwand. Ein Autograph der Partitur war nicht mehr auffindbar, das überlieferte Material unvollständig. Bei der jetzt auf DVD zugänglichen Aufführung aus Bergamo haben wir es mit einer historischen Rekonstruktion zu tun, die einer halben Uraufführung gleichkommt.
Eine dramaturgisch zentrale Nummer, das Quintett im zweiten Akt, musste dabei sogar nachkomponiert werden.
Das Libretto des nachmals berühmten Impresario Bartolomeo Merelli basiert auf der Komödie «Die deutschen Kleinstädter» von August von Kotzebue (1802), die auf italienischen Bühnen unter dem Titel «I provinciali» gespielt wurde. Die in der Großstadt emanzipierte Sabina soll in der heimischen Provinz von ihrem Vater Petronio, dem Bürgermeister, mit dem aufgeblasenen Schulmeister Trifoglio zwangsverheiratet werden. Sie kämpft aber um ihre Liebe zu dem mittellosen Künstler Claudio und siegt letztendlich, da dieser auf ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Als «duftiges Amalgam» der Bestandteile des Opéra-comique-Prinzips hat Ulrich Schreiber Jules Massenets Oper «Manon» einmal bezeichnet. Was darin mitschwingt: Da setzt sich auf einer szenisch-musikalischen Ebene etwas in einer Ästhetik der Flüchtigkeit, der Momentaufnahmen zusammen: Die Oper, so könnte man es interpretieren, wird zum Film.
Peter Carp muss das...
63. JAHRGANG, NR 02
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Amüsiert erinnert man sich an eine Szene in Ken Russells Streifen «Lisztomania» (1975), in der Liszt-Darsteller Roger Daltrey die Brüste einer Frau «mechanisch» küsst, links, rechts, links, rechts – exakt zum Takt von Mälzels Metronom. Nicht nur in dieser frechen Szene schlüpfte der Frontman von The Who als Protagonist von Russells Film stimmig in die Schuhe des...
