Tragödie und Satyrspiel

George Bizets «Perlenfischer» und Jaromir Weinbergers «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» in Graz

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Märchen fragen nicht nach stringenter Handlungslogik, sondern nach dem tieferen Sinn und ebensolcher Erkenntnis. Sie schaffen Raum für Fantasien. Insofern passen die beiden Musiktheaterwerke, die die Oper Graz kurz nach dem neuerlichen Lockdown in einem Kraftakt an zwei aufeinander folgenden Abenden präsentierte, durchaus zusammen; auch wenn sie ihrer Entstehung und ihrer Ausrichtung nach höchst unterschiedlich sind.

Georges Bizets «Perlenfischer» von 1863 und Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» von 1927 erzählen im Grunde schlichte Fabeln: Bizets frühe Oper ist eine Dreiecksgeschichte zweier Freunde, die dieselbe Frau liebten und die bei ihrer schicksalhaften Wiederbegegnung zu Rivalen um die zur Priesterin Berufene werden, die in ihrem Amt zur Keuschheit verpflichtet ist. Weinbergers Volksoper hingegen ist die burleske (Welt-)Reise eines einfachen,  frisch verheirateten Bauern, der mit seinem Dudelsack die Menschen verzaubert, sich abenteuerlustig einem windigen, aber herzensguten Räuber anvertraut, sich zur Eiskönigin führen (und von ihr verführen) lässt und später sogar – um der Rettung der eigenen Liebe willen – in die Hölle stürzt, wo er ...

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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Karl Harb

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