Tragödie und Satyrspiel
Märchen fragen nicht nach stringenter Handlungslogik, sondern nach dem tieferen Sinn und ebensolcher Erkenntnis. Sie schaffen Raum für Fantasien. Insofern passen die beiden Musiktheaterwerke, die die Oper Graz kurz nach dem neuerlichen Lockdown in einem Kraftakt an zwei aufeinander folgenden Abenden präsentierte, durchaus zusammen; auch wenn sie ihrer Entstehung und ihrer Ausrichtung nach höchst unterschiedlich sind.
Georges Bizets «Perlenfischer» von 1863 und Jaromir Weinbergers einstiger Welterfolg «Schwanda, der Dudelsackpfeifer» von 1927 erzählen im Grunde schlichte Fabeln: Bizets frühe Oper ist eine Dreiecksgeschichte zweier Freunde, die dieselbe Frau liebten und die bei ihrer schicksalhaften Wiederbegegnung zu Rivalen um die zur Priesterin Berufene werden, die in ihrem Amt zur Keuschheit verpflichtet ist. Weinbergers Volksoper hingegen ist die burleske (Welt-)Reise eines einfachen, frisch verheirateten Bauern, der mit seinem Dudelsack die Menschen verzaubert, sich abenteuerlustig einem windigen, aber herzensguten Räuber anvertraut, sich zur Eiskönigin führen (und von ihr verführen) lässt und später sogar – um der Rettung der eigenen Liebe willen – in die Hölle stürzt, wo er ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Karl Harb
Seit ihrer Eröffnung 2017 ist der Komponist Giorgos Koumendakis künstlerischer Leiter der griechischen Nationaloper, die in dem gigantischen Komplex des «Stavros Niarchos Foundation Cultural Center» im südlich vom Athener Stadtzentrum gelegenen Stadtteil Kallithea beheimatet ist. International bekannt wurde er unter anderem durch die Musik, die er für die...
Frau Dreisig, ich nehme unser Interview mit meinem Smartphone auf. Ist das in Ordnung für Sie?
Natürlich. Ich lege mein Handy bei den Proben immer in den Zuschauerraum.
Um dann mit dem Mitschnitt nachzuarbeiten?
Genau. Nach der Probe höre ich alles an. Und dann weiß ich genau, wo ich bei der Intonation aufpassen muss oder wo ich zu kräftig war.
Sie haben...
Auch ausgewiesene Kenner von Gaetano Donizettis reichem Opernschaffen dürften von einer Opera buffa mit dem Titel «Le nozze in Villa» noch nie etwas gehört haben, einem Frühwerk des Komponisten, das nach der Uraufführung in Mantua (1819) und Reprisen in Treviso und Genua offenbar ganz in der Versenkung verschwand. Ein Autograph der Partitur war nicht mehr...
