Alles giert nach Wirkung
Die inzwischen fast zwei Jahre andauernde Corona-Pandemie hat für die Musiktheater Italiens zwei Trends verschärft, die sie vorher noch ein wenig aus der Ferne wahrgenommen hatten. Vor der Pandemie schien das allmähliche Altern des Publikums und das Abbröckeln der Nachfrage ein Problem, das man jedoch glaubte, vor allem mit Mitteln der Spielplanpolitik, lösen zu können. Nachdem die Theater wieder voll besetzt werden dürfen, sind indessen viele der früheren Zuhörerinnen und Zuhörer nicht zurückgekehrt. Berichtet wird von Einbrüchen von zehn bis 40 Prozent.
Gleichzeitig ist es einfacher geworden, die Produktionen den Menschen per Streaming nahezubringen, und die Theater haben entdeckt, dass es für solche Angebote eine Nachfrage gibt.
In seiner Saisoneröffnung am 7. Dezember hat das Teatro alla Scala nun medial wie ästhetisch Konsequenzen gezogen. Verdis «Macbeth» wurde analog für das Publikum im Saal gegeben, parallel gab es Versionen speziell für die international angebotene Fernsehübertragung und digitale Medien. Im Saal waren mit sieben Aufführungen bis zu 14.000 Leute zu erreichen. Die Fernsehübertragung wurde am Premierenabend allein in Italien von mehr als zwei Millionen ...
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Opernwelt Februar 2022
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Klaus Georg Koch
An einer Stelle wird Titus Engel, neben Kirill Petrenko «Dirigent des Jahres» 2020 in der «Opernwelt», an diesem Abend in der Bayerischen Staatsoper vom pandemiebedingt geviertelten Publikum für mehrere Sekunden unterbrochen. «Buh»-Stürme verhindern kurzzeitig sein Weiterdirigieren. Dabei kann Engel überhaupt nichts dafür, dass sich hier – im eiskalten München –...
Die Oper Zürich war eines ihrer Stammhäuser; 40 Jahre lang war sie hier in zahlreichen Produktionen mit dabei, auch als Anna Bolena. Was Edita Gruberová aus dieser Partie gemacht hat, ist unvergessen – auch wenn ihr Auftritt in der Oper Gaetano Donizettis mehr als zwei Jahrzehnte zurückliegt. Sechs Wochen nach dem Tod der großen Sängerin war der Name Gruberovás an...
Als Gustavo Dudamel im April 2021 zum neuen musikalischen Leiter der Opéra national de Paris ernannt wurde, verwiesen manche verwundert auf das schmale Opernrepertoire des amtierenden Chefdirigenten des Los Angeles Philharmonic. Dieses besteht vor allem aus Hauptwerken von Mozart, Verdi und Puccini, zuzüglich «Fidelio», «L’elisir d’amore», «Tannhäuser», «Carmen»,...
