Mascagni: Cavalleria rusticana/Leoncavallo: I pagliacci

Berlin, Deutsche Oper

Opernwelt - Logo

Mit ihrer neuen Produktion beweist die Deutsche Oper Berlin Kontinuität: Auf der Bühne dominieren große Namen, im Graben gibt der soundsovielte Top-Kandidat für die Thielemann-Nachfolge den Takt an, im Saal werden Bravi und Buhs unberechenbar ausgeteilt. Was David Pountney und sein Ausstatter Robert Innes Hopkins als bewährtes «Cavalleria/ Pagliacci»-Doppel präsentieren, ähnelt überdies Vera Nemirovas letztjähriger «Fanciulla»-Inszenierung am selben Ort: Verismo als detailgetreues Abbild heutiger Zustände, inklusive überraschender Final-Dekonstruktion.


In Pountneys Sizilien türmen sich mafiose Investitionsruinen: Mamma Lucia ist Kioskbetreiberin an einer Autobahn­auffahrt ins Nirgendwo. Die Cosa Nostra prozessiert frömmelnd vorbei, während sich Turiddu in Proleten-Tracht an die scheinheilige Lola heranmacht – Peter Seiffert spielt das hinreißend. Unterschiedliche Straßenebenen gliedern den Raum zwar nicht unbedingt chorgerecht, bieten der verheerenden Dynamik ehrversessener Gruppen aber ein klares Forum.
Weniger deutlich geht es bei den «Pagliacci» zu, denen Pountney offensichtlich misstraut: Die Aushebelung des Theaters durch die Wirklichkeit interpretiert er als perfiden Trick eben ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2005
Rubrik: kurz berichtet, Seite 48
von Olaf Wilhelmer

Vergriffen
Weitere Beiträge
Keine falschen Gefühle

Die wirkungsvollste und geschlossenste aller Verdi-­Ouvertüren, die zur «Macht des Schicksals», beginnt mit sechs leeren Oktaven. Sechsmal der Ton «e» in Fagott, Hörnern, Trompeten und Posaunen. Sechsmal mit Akzent. Wenn dieses «e» unentschieden, orientierungslos geblasen wird, quasi als Unterbrechungsversuch des Parkett-Gemurmels, dann wird schnell ein schlechtes...

Luxuriös fehlbesetzt

Covent Gardens neuer «Ballo in maschera» ist eine Mogelpackung. Oder, netter gesagt, ein gescheitertes Experiment. Auf dem Papier liest sich das noch viel versprechend, allerdings auch da nur auf den ersten Blick. Die Hauptpartien sind mit Karita Mattila, Marcelo Alvarez und Thomas Hampson luxuriös besetzt, alle drei geben ihr Rollendebüt. Und alle drei wären...

Wer oder was ist eine Diva?

Anna Netrebko ist ganz genau, wenn es um die große Arie der Traviata geht. Sechzehntelpausen des «Ah fors‘è lui» dort, wo sie stehen, die Legatobögen, Akzente und dynamischen Stufen ebenfalls. Keine «Interpretation» versucht diese Aufnahme, sondern eine schlichte Ausführung des Notentextes. Maria Callas war da, ein halbes Jahrhundert vorher, freizügiger. Was sie...