Mascagni: Cavalleria rusticana/Leoncavallo: I pagliacci
Mit ihrer neuen Produktion beweist die Deutsche Oper Berlin Kontinuität: Auf der Bühne dominieren große Namen, im Graben gibt der soundsovielte Top-Kandidat für die Thielemann-Nachfolge den Takt an, im Saal werden Bravi und Buhs unberechenbar ausgeteilt. Was David Pountney und sein Ausstatter Robert Innes Hopkins als bewährtes «Cavalleria/ Pagliacci»-Doppel präsentieren, ähnelt überdies Vera Nemirovas letztjähriger «Fanciulla»-Inszenierung am selben Ort: Verismo als detailgetreues Abbild heutiger Zustände, inklusive überraschender Final-Dekonstruktion.
In Pountneys Sizilien türmen sich mafiose Investitionsruinen: Mamma Lucia ist Kioskbetreiberin an einer Autobahnauffahrt ins Nirgendwo. Die Cosa Nostra prozessiert frömmelnd vorbei, während sich Turiddu in Proleten-Tracht an die scheinheilige Lola heranmacht – Peter Seiffert spielt das hinreißend. Unterschiedliche Straßenebenen gliedern den Raum zwar nicht unbedingt chorgerecht, bieten der verheerenden Dynamik ehrversessener Gruppen aber ein klares Forum.
Weniger deutlich geht es bei den «Pagliacci» zu, denen Pountney offensichtlich misstraut: Die Aushebelung des Theaters durch die Wirklichkeit interpretiert er als perfiden Trick eben ...
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Die wirkungsvollste und geschlossenste aller Verdi-Ouvertüren, die zur «Macht des Schicksals», beginnt mit sechs leeren Oktaven. Sechsmal der Ton «e» in Fagott, Hörnern, Trompeten und Posaunen. Sechsmal mit Akzent. Wenn dieses «e» unentschieden, orientierungslos geblasen wird, quasi als Unterbrechungsversuch des Parkett-Gemurmels, dann wird schnell ein schlechtes...
Covent Gardens neuer «Ballo in maschera» ist eine Mogelpackung. Oder, netter gesagt, ein gescheitertes Experiment. Auf dem Papier liest sich das noch viel versprechend, allerdings auch da nur auf den ersten Blick. Die Hauptpartien sind mit Karita Mattila, Marcelo Alvarez und Thomas Hampson luxuriös besetzt, alle drei geben ihr Rollendebüt. Und alle drei wären...
Anna Netrebko ist ganz genau, wenn es um die große Arie der Traviata geht. Sechzehntelpausen des «Ah fors‘è lui» dort, wo sie stehen, die Legatobögen, Akzente und dynamischen Stufen ebenfalls. Keine «Interpretation» versucht diese Aufnahme, sondern eine schlichte Ausführung des Notentextes. Maria Callas war da, ein halbes Jahrhundert vorher, freizügiger. Was sie...
