Mark Andre: «wunderzaichen»

uraufgeführt in Stuttgart

Opernwelt - Logo

Die post-moderne Erfahrung der Wahrheit ist eine ästhetische Erfahrung», erklärte vor beinahe dreißig Jahren der italienische Philosoph Gianni Vattimo in seinem viel rezipierten Buch vom «Ende der Moderne». Er vertrat auch die These, dass sich mit dem Ende des Jahrtausends das Abenteuer des metaphysischen Denkens seinem Ende zuneige. Doch es gibt Komponisten wie den 1964 in Paris geborenen Mark Andre, der im Tosen der Neuen Musik für spirituelle Stille steht.

Das verschaffte seiner Oper «wunderzaichen», die im März an der Staatsoper Stuttgart unter der Leitung von Sylvain Cambreling uraufgeführt wurde, schon im Vorfeld große Aufmerksamkeit. Das ­Libretto hat Andre mit dem Dramaturgen Patrick Hahn unter Einbeziehung von Texten aus der Bibel, der jüdischen Mystik, des französischen Philosophen Jean-Luc Nancy und von Johannes Reuchlin verfasst. Der in Pforzheim geborene Humanist Reuchlin (1455–1522), begraben in der Stuttgarter Kirche St. Leonhard, war neben Erasmus einer der bedeutendsten Theologen und Denker jener Zeit und überdies einer der ersten deutschen Gelehrten, die sich mit der Kabbala, überhaupt dem Judentum und der hebräischen Sprache beschäftigten. Sein Traum, das gelobte ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Uraufführungen des Jahres, Seite 44
von Götz Thieme

Weitere Beiträge
Christoph Willibald Gluck

Er war nicht der Einzige, der das tradierte Regelwerk der Opera seria in Frage stellte. Und er war auch nicht der Erste, der Anstoß nahm an einer erstarrten Opernpraxis, die nur noch Anlässe für virtuosen Ziergesang zu suchen schien. Schon gar nicht hat Christoph Willibald Gluck, vor 300 Jahren, am 2. Juli 1714, im oberpfälzischen Erasbach geboren, die Oper neu...

«Ich war fleißig, das ist alles»

In Tolochenaz am Genfer See, zwei Auto-Minuten außerhalb von Morges, bewohnen Nicolai Gedda und seine Frau Aino das direkte Nachbargrundstück von Audrey Hepburn. Er selbst zog 1968 hierher, die (1993 verstorbene) Schauspielerin einige Jahre zuvor. «Das Tor wird offen stehen», hatte Gedda uns auf den Anrufbeantworter gesprochen. Als das Taxi erscheint, sind alle...

Semper reformanda

Sein Koch verstehe mindestens so viel vom Kontrapunkt wie Gluck, soll Georg Friedrich Händel gespottet haben, als der böhmische Komponist in London auftauchte und der italienischen Oper mit seinem Pasticcio «La caduta de’ giganti» im King’s Theatre Anfang 1746 neues Leben einzuhauchen versuchte. Nun war Händels Koch im Hauptberuf eigentlich Sänger, was die...