«Ich war fleißig, das ist alles»
In Tolochenaz am Genfer See, zwei Auto-Minuten außerhalb von Morges, bewohnen Nicolai Gedda und seine Frau Aino das direkte Nachbargrundstück von Audrey Hepburn. Er selbst zog 1968 hierher, die (1993 verstorbene) Schauspielerin einige Jahre zuvor. «Das Tor wird offen stehen», hatte Gedda uns auf den Anrufbeantworter gesprochen. Als das Taxi erscheint, sind alle Rollläden der wild umrankten Villa herabgelassen. Knarrend öffnet sich einer. Gedda wirkt sympathisch verwildert, trägt die grauen Haare zu einem Zopf auf dem Kopf zusammengebunden.
Das Gespräch findet im schummrigen Musikzimmer statt, in dem er und seine Frau Händchen haltend auf dem Sofa sitzen.
Herr Gedda, Sie reagierten zurückhaltend, als wir Sie um ein Gespräch baten. Haben Sie Ihr früheres Leben hinter sich gelassen – oder geht es Ihnen nach?
Es geht mir nicht mehr so sehr nach. Aber ich werde nächstes Jahr 90. Ich fühle mich nicht mehr allzu fit im Kopf. Und ich möchte keinen Unsinn erzählen. Deshalb habe ich alle Interviews abgesagt. Heute mache ich eine Ausnahme.
Haben Sie noch Schüler?
Nein, seit ich nicht mehr vorsingen kann. Aber uns geht es sehr gut. Abgesehen davon, dass meine Frau, die ein Buch über mich ...
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Opernwelt Jahrbuch 2014
Rubrik: Nicolai Gedda, Seite 62
von Kai Luehrs-Kaiser
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Die post-moderne Erfahrung der Wahrheit ist eine ästhetische Erfahrung», erklärte vor beinahe dreißig Jahren der italienische Philosoph Gianni Vattimo in seinem viel rezipierten Buch vom «Ende der Moderne». Er vertrat auch die These, dass sich mit dem Ende des Jahrtausends das Abenteuer des metaphysischen Denkens seinem Ende zuneige. Doch es gibt Komponisten wie...
Herr Bachler, stimmt es eigentlich, dass Sie in München mal als Kellner gearbeitet haben?
Ja, als Student einen ganzen Sommer lang. In einem Café am Odeonsplatz. Das muss so Anfang der Siebzigerjahre gewesen sein.
Und da konnten Sie zum ersten Mal beobachten, wie die Münchner ticken?
Vor allem habe ich damals zum Theater gefunden. Durch den «Sommernachtstraum» von...
