Marie Theres´Liebestod

Strassburg | Strauss: Der Rosenkavalier

Opernwelt - Logo

«Der Rosenkavalier» – eine Commedia dell’Arte? Man verdrängt angesichts des Wienerischen in Hofmannsthals und Strauss‘ «Komödie für Musik» oft allzu schnell, dass es in der Tat vor allem Molière’sche Motive sind, die die Keimzellen dieses Meisterwerks ausmachen. Und dass natürlich die Figurenkonstellation bewusste Anleihen an die Typenkomödie enthält – freilich von Hofmannsthal in unvergleichlicher Eleganz und Virtuosität in Szene gesetzt.

Insofern konstruiert Regisseurin Mariame Clément ihren «Rosenkavalier» an der Elsässischen Rheinoper ebenso wenig, wie sie ihn dekonstruiert. Die Französin reduziert das Stück auf seinen Komödienkern, indem sie das Ambiente reduziert: Das Große an diesem Abend – es ist das Unspektakuläre.

Daran haben Bühne und Kostüme von Cléments langjähriger Ausstattungs-Partnerin Julia Hansen maßgeblichen Anteil, weil sie mit ihrem Rekurs auf die Bretterbühne der Commedia samt ein paar Vorhängen und wenigen Requisiten oder Anklängen an das Shakespeare-Theater eine Sprache von ausgesprochener Deutlichkeit und Direktheit findet.

Auch findet die Regie zu interpretatorischen Ansätzen, die über das Erwartbare hinausgehen. Da ist die stumme Rolle des kleinen Negers, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2012
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Alexander Dick

Weitere Beiträge
Die Sache mit der Libido

Ein von der Ehe gelangweilter Förster, eine ebenso frustrierte Frau, dann plötzlich, als verhängnisvolle «Chance», eine neue, animalische, von allerlei anderem Getier umgebene Gefährtin, das offerierte das BR-Symphonieorchester zu Anfang der Saison als «Familienkonzert». Leos Janáceks «Schlaues Füchslein» als Nettigkeitsoffensive für Jung und Alt, moderiert von...

Grauer Wahn

Christof Loy steht für psychologisch gewitzte Inszenierungen, hochpräzise Personenregie und eine strenge Diät der Mittel. Für seine demonstrative Pracht-Verweigerung musste der vielfach ausgezeichnete, zweimal (2003, 2008) von «Opernwelt» zum «Regisseur des Jahres» gekürte Regisseur, durchaus hin und wieder Proteste verkraften.

Nun hat er sich am Grand Théâtre de...

Der Gladiator

Willkommen in der Welt der Posen. Warum sollte ein Opernsänger nicht Ronaldos Pfauengehabe imitieren? Willkommen in der Welt des Halls, der die Stimme riesenhaft schwellen lässt. Welche Zauberkunst war es, die ihr in der tiefen Lage bassbaritonale Fülle geschenkt hat und in der Höhe (klanglich seltsam abgekoppelt von der mittleren Lage) tenorale Töne, die an den...