Manricos Gefühl für Stimmen
Wenn seine Frau Martina ihn rief, wählte sie als Kosenamen gern die Titelfigur einer berühmten Verdi-Oper. Unzählige Male müssen die beiden «Il trovatore» gemeinsam erlebt haben; ein Stück, das für das Besetzungsbüro bekanntlich die einfache Herausforderung bereithält: Man muss für die Hauptrollen nur die vier besten Sänger der Welt engagieren, wie Enrico Caruso einmal gesagt haben soll. Manrico also wurde Josef Hussek von seiner Gattin gern genannt. Dabei hatte einer der größten Stimmkenner der vergangenen Jahrzehnte nie ernsthaft vor, selbst Sänger zu werden.
Doch die Faszination für die menschliche Stimme prägte sein Leben. Verdi wurde sein persönlicher Fixstern. Zu seinem ersten Wiener Stehplatzabend stand der «Rigoletto» auf dem Programm, es folgten «La traviata» und «Il trovatore». Es waren diese jugendlichen Lehrjahre im Rang, durch die Hussek Schönheiten wie Schwierigkeiten des gesamten Repertoires kennenlernte – in immer wieder neuen Besetzungskonstellationen, über die in Wien heftig gestritten wurde zwischen den Fans der Nilsson und der Rysanek oder der Fraktion von Di Stefano und Corelli. Hussek lernte schnell, kundig zu diskutieren und Unterschiede zu erkennen, auf die ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Magazin, Seite 77
von Peter Krause
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Perm bereitet sich auf seine 300-Jahr-Feier vor. Die Stadt, einst von Peter dem Großen als Zentrum der Metallgewinnung gegründet und seit 1916 Sitz der ersten Universität im Ural, scheint sich nicht damit zufriedengeben zu wollen, keine Rolle mehr als Zentrum der zeitgenössischen Kunst und Kultur zu spielen (wie es die restriktive Politik vorsieht). Mit aller Macht...
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