Manisch depressiv
Die Handlung spielt in Paris, doch wäre sie nicht besser im flämischen Antwerpen, der Stadt der Juweliere und Diamantenveredler, verortet? Immerhin ist Paul Hindemiths «Cardillac», die Geschichte vom Goldschmied, der seine Produkte zwar verkauft, seine Kunden aber dann meuchlings ermordet, um sich die Kunstwerke zurückholen und allein an ihnen delektieren zu können, jetzt in Antwerpens Opernhaus herausgekommen. Es liegt passenderweise gleich neben dem Diamantenviertel. Regisseur Guy Joosten vermeidet freilich jede konkrete Anspielung auf die Stadt, nicht einmal das Paris Ludwigs XIV.
, Schauplatz der literarischen Vorlage – E.T.A. Hoffmanns Novelle «Das Fräulein von Scuderi» – , spielt bei ihm eine Rolle.
Das Volk, das den Serienmörder sucht, ist eine anonyme Masse in Kleidung aus der Zeit, als Hindemith sich mit dem Stoff beschäftigte (gespielt wird, wie inzwischen allgemein üblich, die erste Fassung von 1926). Joosten siedelt das Stück in einem finsteren Niemandsland an – nur eine höhenverstellbare Plattform öffnet und schließt Räume für die Fantasie, Projektionen beschwören eine Metropolis-artig geschäftige Technikwelt. Die Werkstatt ist ein riesiger Goldhaufen, in dem sich der ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 33
von Josef Oehrlein
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