Aberwitzig
Solche Abende gibt es. Sie heben hoch an, schütten aus extremer (Fall-)Höhe eine Unmenge an Bildern, Assoziationen und Allusionen auf die Bühne herab, sind für sich genommen virtuos in ihrer Diskursvernarrtheit – aber das eigentliche Stück, seine Psychologie, mehr noch: die musikalische Semantik vergessen sie darüber fast vollständig. Ein solcher Abend ist die Neuproduktion von «La forza del destino» in Frankfurt.
Natürlich kann und darf man fragen, welche Kontexte der Topos «Schicksal» heute eröffnet, wie viel von seinem emotionalen (und etymologischen) Gehalt übriggeblieben ist. Und ja, auch diese Oper Verdis, die am Main in der radikalen Sankt Petersburger Urfassung von 1862 aufgeführt wird, enthält gesellschaftlich relevante Elemente. Das Ganze jedoch als einen Parforceritt durch die Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika anzulegen, dehnt die interpretatorischen Möglichkeiten denn doch zu sehr. Wenn Giuseppe Verdi überhaupt etwas dezidiert Politisches im Sinn hatte, war es der (ein Jahr vor der Uraufführung der Oper mit der Inthronisation Vittorio Emmanueles erfolgreich zum Ziel geführte) italienische Freiheitskampf, das Risorgimento. Eine szenische Abhandlung über ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Jürgen Otten
Stefano Poda ist – wie sein italienischer Landsmann Romeo Castellucci oder wie Achim Freyer – Regisseur, Bühnenbildner, Choreograf, Kostüm- und Lichtgestalter in Personalunion. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch eine strenge, genau kalkulierte Formensprache aus. Man könnte auch sagen: Er unterwirft die Werke, die er sich vornimmt, seiner eigenen Ästhetik....
Der 1813 entstandene «Faust» von Louis Spohr gehört zu den mehr gerühmten als wirklich bekannten, gar aufgeführten Hauptwerken der deutschen romantischen Oper; ja, er markiert, zusammen mit der «Undine» des Dichterkomponisten E.T.A. Hoffmann, recht eigentlich deren Beginn. An Goethe und die spätere musikalische «Faust»-Metaphysik des 19. Jahrhunderts darf man...
JUBILARE
Roberta Alexander stammt aus Virginia und wuchs in einer Musikerfamilie auf. 1969 begann sie ihr Studium an der University of Michigan in Ann Arbor. Im Alter von 23 Jahren setzte sie ihre Ausbildung bei Herman Woltman am Königlichen Konservatorium in Den Haag fort. Die Sopranistin debütierte 1975 an der Niederländischen Oper in Rossinis farsa comica «La...
