Im Labyrinth
Schuberts «Fierrabras» ist und bleibt ein Schmerzenskind, der neuerliche, sehr ehrenwerte Rettungsversuch durch das Konzert Theater Bern bestätigt es. Mario Venzago, Chefdirigent des Berner Symphonieorchesters und als solcher immer wieder mit anregenden Produktionen an der Ausstrahlung des Hauses beteiligt, weiß um die Problematik, liebt aber Franz Schuberts Oper nun einmal. Zusammen mit Regisseur Elmar Goerden gelangte er zu der Auffassung, dem Werk sei aufzuhelfen, wenn die Musik für die dramatische Wirkung stärker nutzbar gemacht würde.
Tatsächlich stehen in «Fierrabras» die zum Teil wunderschönen musikalischen Nummern weitgehend beziehungslos nebeneinander – verbunden durch gesprochene Texte, wie es dem deutschen Singspiel entspricht. Um hier mehr Kitt zu schaffen, hat Venzago auf verschiedenen Ebenen in die Partitur eingegriffen. Die Bearbeitung wird auch durch die (etymologisch korrekte und auf eine der Vorlagen rekurrierende) Schreibweise des Titels – «Fierabras» – angezeigt.
Zunächst verstärkte er die Effekte der Bühnenmusik, sodass etwa die Trompeten- und Hornsignale deutlicher heraustraten und vehement an Beethovens «Fidelio» als großes Vorbild erinnerten. Auch das ...
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Opernwelt März 2019
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Peter Hagmann
Virtuelle Realität suggeriere «maximale Einfühlung durch maximale Abschottung», war unlängst über ein neues Geschäftsmodell des Silicon Valley zu lesen. Dirk Schmedings Inszenierung von Strawinskys früher Kurzoper «Die Nachtigall» (Soloviej) kommt stellenweise wie eine Umsetzung dieser Einsicht daher. Da ist die künstliche Nachtigall, die in Stepan Mitussows...
Am Ende ist alles nur noch musikalisches Zitat, Erinnerung. Und: totale Tristesse. Regungslos sitzt Mimì auf jenem Stuhl, der zuvor als Platz für Marcellos Aktmodelle diente, hockt da wie eine Statue. Die aber singt, und das wunderschön und zugleich höchst traurig. «Sono andati», das berühmte Schlusslamento, gerinnt in Nadja Mchantafs Diktion zu einem Bild...
Der Himmel über Paris, so zumindest will es unsere Fantasie, war strahlend blau an jenem Junitag des Jahres 1669, der als eine Art Gründungsmythos in die Annalen der (französischen) Musikgeschichte Eingang gefunden hat. Denn an diesem Tag zeigte sich der launische Sonnenkönig Ludwig XIV. von seiner charmantesten Seite: Er gewährte dem schriftstellernden Abbé...
