Man spielt nicht mit dem Glück
Eine thematisch komplexe, auch komplizierte Geschichte ist es schon, die Alexander Zemlinsky im «König Kandaules» nach André Gides Drama «Le Roi Candaule» (1899) erzählt: Der König, vom Drang getrieben, sein Glück mitzuteilen, ja es mit anderen zu teilen, überlässt schließlich sogar seine geheimnisvoll-schöne Frau dem Freund für eine Liebesnacht. Bei Gide sagt er einmal: «Besitzen heißt für mich: experimentieren».
Doch das Experiment mündet direkt in die Katastrophe: Königin Nyssia, die getäuschte und entschleierte Frau, befiehlt dem Verführer Gyges, Kandaules, den eigenen Freund, zu töten. Danach reicht sie Gyges als neuem König die Hand. Gyges fordert sie auf, sich wieder zu verschleiern, doch sie weist zynisch darauf hin, dass Kandaules ihren Schleier zerrissen habe.
Unschwer lässt sich in der Handlung das Künstlerdrama erkennen: Kandaules, der individuelle Künstler, steht im Spannungsfeld zwischen egozentrischem Schöpfertum und der Öffnung seiner Kunst nach außen hin, zur Gesellschaft, zur oft schnöden Welt. Sein Kunstwerk heißt «Schönheit», personifiziert in der Königin Nyssia. Der Künstler will sein Werk der Welt zeigen, es aber gleichzeitig wieder vor den Augen der Menschen ...
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