Mozart auf die Sprünge helfen
Mozarts letzte Oper «La clemenza di Tito» hat lange unter dem Verdikt der verspäteten Opera seria gelitten – ein Urteil, das die musikalischen Perlen der Partitur mit den dramaturgischen Schwächen des Librettos verrechnete und zusätzlich Argumente fand in den wenig inspirierten, in der Tat «trockenen» Secco-Rezitativen. Weil der Auftrag drängte, musste Mozart ihre Vertonung einem ungenannten Mitarbeiter, wahrscheinlich Franz Xaver Süßmayr, überlassen. In der heutigen Bühnenpraxis behilft man sich mit drastischen Kürzungen.
Aber dass sich selbst aus diesen papierenen Dialogen dramatisches Feuer schlagen lässt, bewiesen Christof Loy und Paolo Carignani bei der jüngsten Frankfurter Inszenierung (siehe OW 3/2006).
Manfred Trojahn, als Opernkomponist zuletzt mit «Limonen aus Sizilien» hervorgetreten, war anderer Meinung, als er die «Titus»-Rezitative der musikalischen Radikalkur einer kompletten Neuvertonung unterwarf. Diese 2002 in Amsterdam erstmals gespielte Fassung kam jetzt in Braunschweig zur deutschen Erstaufführung. Trojahns Vorgehen ist nicht ohne Vorbilder – so haben etwa Richard Strauss und Ermanno Wolf-Ferrari 1931 im neuromantischen Geist der Zeit an Mozarts «Idomeneo» ...
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