Mal Kind, mal Vamp
Poesievoll verbrämte Orient-Historie hier, knallharte Nahost-Gegenwartsreportage dort: Die «Salome»-Lesarten, die Bremen und Kassel zu Spielzeitbeginn präsentierten, hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können. Und machten zugleich deutlich, welch breiten Interpretationsspielraum das Werk zulässt.
Das Theater Bremen hat für die Ausstattung und als Mit-Ideengeber für die Inszenierung den österreichischen Maler Christian Ludwig Attersee engagiert, der dem Geschehen einen raffiniert opulenten Rahmen verleiht: farbsatte Gemälde-Projektionen im Hintergrund, einen architektonisch reizvollen «Fächerpalast» als Bühnenaufbau und variantenreiche, bisweilen allerdings allzu plüschig-traditionell wirkende Kostüme. In diesem Ambiente entwickelt die junge Regisseurin Susanne Kristin Gauchel psychologisch stimmige, oft überraschende Rollenporträts. So etwa das des Pagen der Herodias, der hier nicht als Hosenrolle, sondern als Geliebte des Narraboth gesehen wird, die nach seinem Tod in einer kurzen, spontanen Aufwallung einen verzweifelten Versuch unternimmt, Salome zu erstechen.
Schwerpunkt von Gauchels Personendeutung aber ist ihre Sicht auf die Titelfigur, die auf ganz naive, fast kindliche ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Küsse, Bisse, das reimt sich», rechtfertigt sich Kleists Penthesilea. Auch in Rossinis Racine-Adaption «Ermione» wird zwölf Jahre später aus frustrierter Liebe zugebissen. Die Verlobte des Pyrrhus besteht auf Einhaltung des Eheversprechens, obwohl der Sohn des Achill inzwischen Hektors Witwe Andromache nachstellt. Ermione, eine Femme fatale, wie sie im Buche steht,...
Der Meister spricht vom Band. Einar Schleef beschreibt das Umfeld seines Elternhauses in Sangerhausen. Auf dem Bühnenboden ist eine «Ernst-Thälmann-Adolf-Hitler-Hindenburg-Straße» aufgemalt. Eine verfallene Bühne, eine einfache Kirche, Lichtröhren, die als Pfeil nach unten zeigen – das morbide Bühnenbild stammt von der Berliner Volksbühne. Anna Viebrock hat es...
Im August 1989, wenige Wochen nach Karajans Tod, fand das erste von der Universität Salzburg in Zusammenarbeit mit den Festspielen organisierte Symposion statt; das Thema waren die «Antiken Mythen im Musiktheater des 20. Jahrhunderts», Anlass war die «Elektra»-Produktion jenes Jahres. Das Konzept – eine Inszenierung oder ein Programmschwerpunkt der Festspiele als...
