Mal Kind, mal Vamp
Poesievoll verbrämte Orient-Historie hier, knallharte Nahost-Gegenwartsreportage dort: Die «Salome»-Lesarten, die Bremen und Kassel zu Spielzeitbeginn präsentierten, hätten unterschiedlicher nicht ausfallen können. Und machten zugleich deutlich, welch breiten Interpretationsspielraum das Werk zulässt.
Das Theater Bremen hat für die Ausstattung und als Mit-Ideengeber für die Inszenierung den österreichischen Maler Christian Ludwig Attersee engagiert, der dem Geschehen einen raffiniert opulenten Rahmen verleiht: farbsatte Gemälde-Projektionen im Hintergrund, einen architektonisch reizvollen «Fächerpalast» als Bühnenaufbau und variantenreiche, bisweilen allerdings allzu plüschig-traditionell wirkende Kostüme. In diesem Ambiente entwickelt die junge Regisseurin Susanne Kristin Gauchel psychologisch stimmige, oft überraschende Rollenporträts. So etwa das des Pagen der Herodias, der hier nicht als Hosenrolle, sondern als Geliebte des Narraboth gesehen wird, die nach seinem Tod in einer kurzen, spontanen Aufwallung einen verzweifelten Versuch unternimmt, Salome zu erstechen.
Schwerpunkt von Gauchels Personendeutung aber ist ihre Sicht auf die Titelfigur, die auf ganz naive, fast kindliche ...
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«Songs My Mother Taught Me» – der Titel aus den Zigeuner-Melodien von Antonín Dvorák gehört seit Langem zu den Topoi von Primadonnen, die sich scheinbar ganz persönlich und privat an ihre Bewunderer wenden und – im glücklichen Fall – mit einer Kunst verzaubern, die Kunst verbirgt. Es geht dabei um die essenzielle Kunst, eine Melodie zu singen und zum Leben zu...
Jeder stirbt für sich allein. Der Tod macht hilflos, sprachlos. Auf dem Weg vom Hier zum Dort ist der Mensch auf sich zurückgeworfen. Egal, woher er kommt. Egal, wo er steht. Egal, wer bei ihm ist. Wenn das sichere Ende naht, hilft nur noch Gott. Oder die Musik. Oder gar nichts. Denn der Tod ist auch banal, das Sterben eine ziemlich triviale Sache. Ein Geschäft zum...
Musikalisch, stilistisch und dramatisch hat Puccini in «Il trittico» drei verschiedene, in sich schlüssige Welten entworfen. Jeder dieser Einakter könnte auch ohne die beiden anderen bestehen. Ein Haus, das alle Stücke an einem Abend zeigt, lässt sich so auf eine künstlerische Herausforderung ein, die der einer «Ring»-Inszenierung kaum nachsteht. In Los Angeles...
