Mal ehrlich September/Oktober 2017

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Ich bin neulich beim Zappen in den Anfangsszenen irgendeines neuen «Don Giovanni» gelandet. Lang blieb ich nicht dabei, weil der Titelheld von einem dieser überfitten Baritone gesungen wurde – ich hatte einfach keine Lust darauf zu warten, dass er sich das Hemd vom Leib reißt. Don Giovanni hab ich mir nie eitel vorgestellt. Wenn man rund um die Uhr damit beschäftigt ist, Röcken nachzusteigen, hat man wohl kaum noch Energie für einen Marathon. Auch scheint er mir nicht der Typ zu sein, der aus Angst um seine Kohlehydratbilanz einen Topf Spaghetti verschmäht.

Da Ponte und Mozart haben ihn nicht als Bademodenmodel, sondern als verkommenen Adligen gezeichnet: Eher spült der die Pasta noch mit zwei Flaschen Primitivo runter. Da ist am nächsten Morgen dann garantiert kein Training drin.

Singende Muskelkerle sind inzwischen weit verbreitet, das riecht schon fast nach Klischee. Letztens hatten wir ein solches Sixpack in «Billy Budd». Nicht in der Hauptrolle, das war ein Sänger mit guter Durchschnittskondition. Doch zwischen den gut 80 (Chor-)Herren aller Größen und Unformen stach ein Typ mit knappstem Tanktop und literweise Babyöl auf dem Bizeps ins Auge wie ein Glassplitter. Im Ernst, er ...

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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 101
von Christopher Gillett

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