Mal ehrlich September/Oktober 2017
Ich bin neulich beim Zappen in den Anfangsszenen irgendeines neuen «Don Giovanni» gelandet. Lang blieb ich nicht dabei, weil der Titelheld von einem dieser überfitten Baritone gesungen wurde – ich hatte einfach keine Lust darauf zu warten, dass er sich das Hemd vom Leib reißt. Don Giovanni hab ich mir nie eitel vorgestellt. Wenn man rund um die Uhr damit beschäftigt ist, Röcken nachzusteigen, hat man wohl kaum noch Energie für einen Marathon. Auch scheint er mir nicht der Typ zu sein, der aus Angst um seine Kohlehydratbilanz einen Topf Spaghetti verschmäht.
Da Ponte und Mozart haben ihn nicht als Bademodenmodel, sondern als verkommenen Adligen gezeichnet: Eher spült der die Pasta noch mit zwei Flaschen Primitivo runter. Da ist am nächsten Morgen dann garantiert kein Training drin.
Singende Muskelkerle sind inzwischen weit verbreitet, das riecht schon fast nach Klischee. Letztens hatten wir ein solches Sixpack in «Billy Budd». Nicht in der Hauptrolle, das war ein Sänger mit guter Durchschnittskondition. Doch zwischen den gut 80 (Chor-)Herren aller Größen und Unformen stach ein Typ mit knappstem Tanktop und literweise Babyöl auf dem Bizeps ins Auge wie ein Glassplitter. Im Ernst, er ...
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Opernwelt September/Oktober 2017
Rubrik: Aus dem Leben eines Taugenichts, Seite 101
von Christopher Gillett
Es ist ein großes Wort, kaum gelassen auszusprechen. Singen jedoch lässt sich von der Freiheit leichter, zumal auf einem mediterranen Maskenball, mit Pauken und Trompeten, Klarinetten und Oboen, Flöten, Fagotti und Streichern. Fünf Kehlen entspringt, im enthusiastischen C-Dur, der Appell des ersten «Don Giovanni»-Finales: «Viva la libertà!». Bernard Foccroulle hat...
Auf den ersten Blick ist alles wie immer. Der Abend bleibt trocken, die tiefstehende Sonne taucht Schlosshof und See in surreales Licht, die «Carmen»-Premiere im Heckentheater kann unter freiem Himmel über die Bühne gehen. Trotzdem ist etwas anders. Frank Matthus, Künstlerischer Direktor der Kammeroper, wird 2018 gehen, nach nur vier Spielzeiten. Die Nachricht kam...
In wenigen Wochen sollen die Proben beginnen. Doch ob Kirill Serebrennikov nach Stuttgart reisen kann, um dort, nach zweijähriger Vorbereitung, seine Fassung der erzdeutschen Märchenoper «Hänsel und Gretel» zu inszenieren, ist Mitte August, bei Redaktionsschluss dieses Heftes, völlig offen. Im Mai wurde nach Betrugsvorwürfen gegen das von Serebrennikov seit 2012...
