«Betulia liberata» in Potsdam
Kurios, Mozarts frühe azione sacra: Alle Zeit der Welt wird da mit einem Gottesbeweis zugebracht. Ozìa, Fürst der belagerten Stadt Betulia (Anicio Zorzi Giustiniani), versucht Anchior (István Kovács) zu missionieren, einen Prinz aus dem feindlichen Lager. Mit Vernunft, wohlgemerkt: Da weht der Geist der Aufklärung. Besonders anschaulich ist das natürlich nicht – Jakob Peters-Messers arrangiert denn auch hauptsächlich Gruppenbilder sorgenvoll dreinblickender Betulier in der Friedenskirche. Damit man dem Disput folgen kann, dolmetscht hier und da der Schauspieler Michael Ihnow.
Während die Männer tatenlos fachsimpeln, spuckt Judith (Bettina Ranch, links) in die Hände und zieht los ins Off, um Holofernes zu enthaupten: ein Stück der starken Frauen. Auch sängerisch. Vor allem Robin Johannsen (rechts) als seelenvolle Amital tut sich hervor. Antonello Manacorda formt dazu mit der Kammerakademie Potsdam ein kontrastreiches Klangbild aus dem Geiste des Barock, auch die Vokalakademie und das Berliner Vocalconsort können sich, wie üblich, hören lassen.
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 73
von Wiebke Roloff
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Man sollte nichts tun, worüber man nicht nach Tisch reden kann, schrieb Oscar Wilde. Insoweit sollte man Orest besser nicht zum Dinner laden, denn seine Tat – der Muttermord – eignet sich kaum zum Small Talk. Die Erinnyen, die ihn in Form eines abgrundschlechten Gewissens verfolgen, sind jedenfalls erzürnt. Apollo, der ihn zu dieser Tat anstiftete, zieht sich auf...
Herr Konwitschny, fühlen Sie sich eigentlich als Angehöriger einer aussterbenden Spezies, nachdem die Schauspielregisseure in der Oper überhandgenommen haben?
Überhaupt nicht. Ich fühle mich eher als einer der ganz wenigen, die sich noch ernsthaft um die Stücke bemühen. Und Gott sei Dank habe ich Schüler, die genauso denken. Die Schauspielregisseure haben ein...
