Der Kälte ausgeliefert
Als eine der wenigen romantischen Belcanto-Opern ist Bellinis «Sonnambula» nie ganz von den Spielplänen verschwunden und hat als Virtuosenfutter für Primadonnen überlebt. Erst Maria Callas hat die ja nur scheinbar harmlose Idyllik der nachtwandelnden Amina expressiv aufgebrochen. Aber es sollten nochmals weitere fünfzig Jahre vergehen, ehe es dem Regieduo Jossi Wieler/Sergio Morabito in seiner kongenialen Stuttgarter Inszenierung gelang, das von Bellini komponierte musikalische Drama bis in die feinsten Verästelungen der Psychologie hinein zu entziffern (siehe OW 3/2012).
An diese in jedem szenischen Detail, ja in jeder Körpergeste stimmige Aufführung, die dennoch die ganze Magie des Melancholikers Bellini bewahrte, durfte man in Frankfurt nicht im Entferntesten denken. Tina Lanik, die zum ersten Mal eine Oper inszenierte, hatte während der Proben eine Frühgeburt und musste die Arbeit zeitweilig unterbrechen. Das allein aber kann das Ausmaß der farblosen Regie nicht erklären. Szene, Regie und Musik liefen an diesem Abend beziehungslos nebeneinander her.
Herbert Murauer hatte eine abstrahierende, in ihrer Klarheit strenge, requisitenlose Einheitsszene entworfen, die von einer ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert
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