Der Kälte ausgeliefert
Als eine der wenigen romantischen Belcanto-Opern ist Bellinis «Sonnambula» nie ganz von den Spielplänen verschwunden und hat als Virtuosenfutter für Primadonnen überlebt. Erst Maria Callas hat die ja nur scheinbar harmlose Idyllik der nachtwandelnden Amina expressiv aufgebrochen. Aber es sollten nochmals weitere fünfzig Jahre vergehen, ehe es dem Regieduo Jossi Wieler/Sergio Morabito in seiner kongenialen Stuttgarter Inszenierung gelang, das von Bellini komponierte musikalische Drama bis in die feinsten Verästelungen der Psychologie hinein zu entziffern (siehe OW 3/2012).
An diese in jedem szenischen Detail, ja in jeder Körpergeste stimmige Aufführung, die dennoch die ganze Magie des Melancholikers Bellini bewahrte, durfte man in Frankfurt nicht im Entferntesten denken. Tina Lanik, die zum ersten Mal eine Oper inszenierte, hatte während der Proben eine Frühgeburt und musste die Arbeit zeitweilig unterbrechen. Das allein aber kann das Ausmaß der farblosen Regie nicht erklären. Szene, Regie und Musik liefen an diesem Abend beziehungslos nebeneinander her.
Herbert Murauer hatte eine abstrahierende, in ihrer Klarheit strenge, requisitenlose Einheitsszene entworfen, die von einer ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Uwe Schweikert
Frau Tomowa-Sintow, Sie waren eine außergewöhnlich vielseitige Sängerin. Gab es ein geheimes Zentrum?
Ja, das gab es. Meine allergrößte Liebe war Verdi. Verdi war der gesangliche Kompass in meinem Leben. Hier habe ich mein Legato gefunden, das meine Grundlage war und ohne das es für mich auch keinen Mozart gibt. Verdi war sogar für den Verismo meine Basis. Und für...
Bei der Inszenierung von komischen Opern ist Logik nicht das oberste Gebot. Wenn’s gefällt, lässt man sich manche Ungereimtheit gern gefallen. Wenn nicht, verzeiht man weniger.
Davide Livermore hat in Pesaro Rossinis «L’italiana in Algeri», diese aberwitzige Buffa über den Clash der Kulturen, in eine künstliche Comic- und Kinowelt der 60er-Jahre übertragen –...
Es heißt ja immer, Sänger seien so entsetzlich dumm. Ich will auch gern zugeben: Nicht jeder Kollege ist so helle, dass man eine Sonnenbrille braucht. Trotzdem ist das Klischee nicht fair. Viele Sänger, die ich kenne – vor allem viele Sänger, die ich nicht bloß kenne, sondern auch mag – waren auf der Uni. Nicht, um Gesang zu studieren. Vier sind fähige...
