Mahlstrom
Keine Aneinanderreihung von «Duetten und cavatine usw. usw.» hatte Verdi mit «La forza del destino» im Sinn, sondern eine «Oper der Absichten». Wenn allerdings mit Anna Netrebko und Jonas Kaufmann die größten Stars der Szene antreten, können die Absichten schon mal untergehen. Aficionados sollen in London auf dem Schwarzmarkt mehrere tausend Pfund für eine Karte gezahlt haben. Wer solche Summen hinblättert, will den Abend auskosten. Mit viel Champagner. Und viel Zwischenapplaus.
In einem hohen Zimmer mit blätterndem Putz nimmt Christof Loy – Covent Garden zeigt seine Amsterdamer Inszenierung – überkommene Elite- und Ehrbegriffe aufs Korn, beleuchtet familiäre Traumata, kolonialgesellschaftlichen Kontext, religiösen Wahn (siehe OW 11/2017).
Netrebko singt die «Forza»-Leonora zum ersten Mal. Sie braucht eine Weile, um warm zu werden: Intonationstrübungen im ersten Akt. Leidvolles Aufbäumen und zwischen den Zähnen hervorgepresstes Piano wirken wie Affekte von der Stange. Im zweiten Akt dann findet sie mit «Madre, pietosa vergine» zu voller Form. In der Mittellage klingt ihr Spinto satt, in der Höhe kraftvoll, strömend. Butterweich lässt sie ihre Stimme in «La vergine degli Angeli» ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Wiebke Roloff Halsey
Gaetano Donizettis 1837 für Neapel komponierter «Roberto Devereux» wird meist als Bravourstück für Primadonnen missbraucht. In Karlsruhe drehen Yannis Thavoris (Bühne) und Mark Bouman (Kostüme) nun den Spieß um und blähen das strenge Kammerspiel zum opulenten Historienschinken auf. Die hohe, historischen Räumen nachempfundene Szene wird beherrscht von den Kostümen...
Einen Filmregisseur für eine Inszenierung von «La fanciulla del West» einzuladen, ist naheliegend, enthält Giacomo Puccinis Oper aus dem Jahr 1910 doch alle Topoi des zeitgleich entstehenden Filmwestern. Dabei bedient Andreas Dresen diese Topoi an der Bayerischen Staatsoper keineswegs. Keinen Saloon hat ihm der Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau gebaut, sondern...
Wie «Salome» ist der Einakter «Elektra» von Hofmannsthal und Strauss eine der großartigen Familienaufstellungen der Operngeschichte – und so sieht das wohl auch der Leipziger Schauspielintendant Enrico Lübbe. Er verbannt die Herrschertochter Elektra in seiner Bonner Inszenierung auf erfrischend unkomplizierte freudianische Art ins Unterstübchen des Palastes von...
