Mahlstrom

Verdi: La forza del destino
London | Royal Opera House

Opernwelt - Logo

Keine Aneinanderreihung von «Duetten und cavatine usw. usw.» hatte Verdi mit «La forza del destino» im Sinn, sondern eine «Oper der Absichten». Wenn allerdings mit Anna Netrebko und Jonas Kaufmann die größten Stars der Szene antreten, können die Absichten schon mal untergehen. Aficionados sollen in London auf dem Schwarzmarkt mehrere tausend Pfund für eine Karte gezahlt haben. Wer solche Summen hinblättert, will den Abend auskosten. Mit viel Champagner. Und viel Zwischenapplaus.

In einem hohen Zimmer mit blätterndem Putz nimmt Christof Loy – Covent Garden zeigt seine Amsterdamer Inszenierung – überkommene Elite- und Ehrbegriffe aufs Korn, beleuchtet familiäre Traumata, kolonialgesellschaftlichen Kontext, religiösen Wahn (siehe OW 11/2017).

Netrebko singt die «Forza»-Leonora zum ersten Mal. Sie braucht eine Weile, um warm zu werden: Intonationstrübungen im ersten Akt. Leidvolles Aufbäumen und zwischen den Zähnen hervorgepresstes Piano wirken wie Affekte von der Stange. Im zweiten Akt dann findet sie mit «Madre, pietosa vergine» zu voller Form. In der Mittellage klingt ihr Spinto satt, in der Höhe kraftvoll, strömend. Butterweich lässt sie ihre Stimme in «La vergine degli Angeli» ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Wiebke Roloff Halsey

Weitere Beiträge
Sinnfälliges Doppel

Normalerweise siegt im Märchen das Gute über das Böse, und der Held bekommt die Prinzessin. In «Der Schatten» von Hans Christian Andersen ist es umgekehrt – und genau das hat den schwedischen Komponisten Hans Gefors zu der Kammeroper «Schattenspiele» inspiriert, die das Theater Hof sinnfällig mit dem «Leuchtturm» von Peter Maxwell Davies kombiniert. In beiden...

Multiple Identität

Sie hatte mehrere Namen, hieß Stella Goldschlag und Stella Kübler-Isaaksohn, am Ende ihres Lebens auch Ingrid Gärtner (Foto). Eine Frau, die in ihren multiplen Identitäten untertauchte, deren Geschichte wohl auch deshalb heute nur wenige kennen. Dabei wirft ihre Biografie Licht auf eine weniger bekannte Facette des Holocaust: Selbst im Nazireich war die tödliche...

Genau beobachtet

Einen Filmregisseur für eine Inszenierung von «La fanciulla del West» einzuladen, ist naheliegend, enthält Giacomo Puccinis Oper aus dem Jahr 1910 doch alle Topoi des zeitgleich entstehenden Filmwestern. Dabei bedient Andreas Dresen diese Topoi an der Bayerischen Staatsoper keineswegs. Keinen Saloon hat ihm der Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau gebaut, sondern...