«Dazu gehört Geist...»

Das Liedschaffen Clara Schumanns und eine Eloge auf ein ungewöhnliches Grand Piano

Alma hätte gerne viel mehr gewollt, aber ihr Mann war nicht bereit, es ihr zu gewähren. Clara hingegen hätte gedurft, doch sie traute es sich nicht so recht zu. Unterschiedlicher hätten Alma Mahlers und Clara Schumanns eheliche Positionen als Tonschöpferinnen nicht sein können: Während Gustav Mahler das Komponieren seiner Frau mit Eifersucht beobachtete, suchte Robert Schumann seine Gefährtin ständig zu animieren, eigenschöpferisch tätig zu werden.

Vor allem Lieder wollte er von ihr; offenbar unter Qualen machte sie ihm diese zum Geschenk – meist zum Geburtstag oder zu Weihnachten. Sie hielt sich für nicht begabt genug: «Mit dem Componiren wills nun garnicht gehen», schrieb sie 1841 ins gemeinsame Ehetagebuch, «... und nun vollends ein Lied, das kann ich gar nicht. Einen Text ganz zu erfassen, dazu gehört Geist …» Und den hatte nach damaliger Auffassung vorzugsweise der Mann.

Also blieb ihr ohnehin schmales Lied-Œuvre lange im Schatten; noch in der 1993 revidierten Ausgabe von Reclams Liedführer kommt Clara im Kapitel über ihren Mann bloß als Nebensatz vor. Für das Opus 37, «Zwölf Gedichte aus Friedrich Rückerts ‹Liebesfrühling›», habe Clara das zweite, vierte und elfte Lied ...

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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 22
von Gerhard Persché