«Ich mag coole Charaktere»
Frau Wilson, zu Jahresbeginn wurden Sie in Stuttgart für die Titelrolle von Vivaldis «Juditha triumphans» gefeiert. Die Produktion konnte erst nach mehreren Anläufen und monatelanger Pause herausgebracht werden. Wie motiviert man sich nach so langer Zeit für die Premiere?
Ich fand es anfangs schwierig, sich wieder zu motivieren. Ich sagte mir zwar: Okay, wir haben geprobt, es wird irgendwann auf die Bühne kommen. Aber es brauchte für den letzten Schritt einige Willenskraft.
Es ist nicht so romantisch, wie manche sich das vorstellen: einfach nur in die Musik eintauchen, dann funktioniert es schon. Was mir half: Ich durfte wieder singen und meine Kolleginnen und Kollegen sehen, mit ihnen arbeiten, mit ihnen gemeinsam in den Pausen essen und trinken – das war sehr emotional. Mein Beginn im Stuttgarter Ensemble fiel ja zusammen mit dem Beginn der Pandemie. Ich konnte ein paar Projekte mitmachen, dann war Schluss. Die Stadt war zu. Ich habe Monate gebraucht, um überhaupt alle im Ensemble kennenzulernen – einfach, weil ich ihnen nicht begegnen konnte. Manchmal komme ich mir hier noch immer wie eine Touristin vor.
Ihr professionelles Debüt hatten Sie mit Vivaldis «Gloria» in der New ...
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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Interview, Seite 35
von Markus Thiel
Erklingt in diesen Tagen auf einer Opernbühne der «Patria-oppressa!»-Chor aus Giuseppe Verdis «Macbeth», dann «inszeniert» ein Diktator wie Wladimir Putin mit, ganz gleich, was dabei zu sehen ist. Verstärkt wird dieser unangenehme Eindruck noch, wenn, wie zu Sommerbeginn am Theater Freiburg, ein ukrainischer Regisseur das Stück zu deuten versucht. Andriy Zholdak...
JUBILARE
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Die Frage ist gut: Warum hat Johann Sebastian Bach zeitlebens keine Oper komponiert? Iso Camartin, Philologe und Essayist, von 1985 bis 1997 Professor für rätoromanische Literatur und Kultur an der Universität Zürich und bekennender Opernliebhaber, geht ihr mit einer Unbefangenheit nach, die man ihm als Naivität auslegen könnte – mit der Begründung nämlich, Bach...
