«Ich mag coole Charaktere»

Zwischen ihr und Puccinis Manon Lescaut gibt es einen wesentlichen Unterschied: Rachael Wilson hat die Wüste verlassen. Und eine große Karriere noch vor sich. Ein Gespräch über Kulturschocks, inneren und äußeren Druck sowie den großen Vorteil, Mezzosopranistin zu sein

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Frau Wilson, zu Jahresbeginn wurden Sie in Stuttgart für die Titelrolle von Vivaldis «Juditha triumphans» gefeiert. Die Produktion konnte erst nach mehreren Anläufen und monatelanger Pause herausgebracht werden. Wie motiviert man sich nach so langer Zeit für die Premiere?
Ich fand es anfangs schwierig, sich wieder zu motivieren. Ich sagte mir zwar: Okay, wir haben geprobt, es wird irgendwann auf die Bühne kommen. Aber es brauchte für den letzten Schritt einige Willenskraft.

Es ist nicht so romantisch, wie manche sich das vorstellen: einfach nur in die Musik eintauchen, dann funktioniert es schon. Was mir half: Ich durfte wieder singen und meine Kolleginnen und Kollegen sehen, mit ihnen arbeiten, mit ihnen gemeinsam in den Pausen essen und trinken – das war sehr emotional. Mein Beginn im Stuttgarter Ensemble fiel ja zusammen mit dem Beginn der Pandemie. Ich konnte ein paar Projekte mitmachen, dann war Schluss. Die Stadt war zu. Ich habe Monate gebraucht, um überhaupt alle im Ensemble kennenzulernen – einfach, weil ich ihnen nicht begegnen konnte. Manchmal komme ich mir hier noch immer wie eine Touristin vor. 

Ihr professionelles Debüt hatten Sie mit Vivaldis «Gloria» in der New ...

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Opernwelt 8 2022
Rubrik: Interview, Seite 35
von Markus Thiel

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