Editorial 6/23

Opernwelt - Logo

Letzte Dinge haben den Menschen schon immer interessiert, im Grunde seit jenem (sonnigen?) Tage, an dem er die Erde betrat, um sie und alles, was darauf herumkreuchte und -fleuchte, sich untertan zu machen. Insbesondere Endzeitvisionen waren von jeher in Mode, die Mächte des Thanatos mindestens so virulent wie die seines Kontrahenten Eros. Von den apokalyptischen Schreckensbildern in der Offenbarung des Johannes bis zu aktuellen Kassandra-Rufen über den prekären Zustand des Planeten reicht die Liste jener Pamphlete, die ungeschminkt die Vergänglichkeit alles Seienden proklamiert haben.

Und sogar auf dem Theater, jenem locus amoenus, der doch eigentlich auserkoren war, die Schönheit zu suchen, ging die Welt zugrunde – in Karl Kraus’ zutiefst düsterem Schauspiel über den Ersten Weltkrieg und dessen Verwerfungen «Die letzten Tage der Menschheit». 

Auch die nachhaltigste aller Künste, die Oper, durfte von solchen Visionen nicht verschont bleiben. Oft schon haben pessimistisch gesinnte Geister ihr Ende ausgerufen, ohne dass die Gattung von der Bildfläche verschwunden wäre. Nun ist ein Buch erschienen, das erneut einem Angstaufschrei ähnelt und sich dezidiert auf Kraus’ megalomanes ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
TV, Streams, Kino, Podcasts 6/23

arte
04.06. – 17.35 Uhr Mozart: Requiem Zur Mozartwoche 2023 spielt das Ensemble für Alte Musik Le Concert des Nations unter Leitung seines Gründers Jordi Savall neben der «Kleinen Nachtmusik» Mozarts «letztes Wort»: das unvollendete Requiem KV 626.

05.06. – 00.45 Uhr Verdi: Aida Die in der Pandemie als Livestream übertragene Premiere von Lotte de Beers Regiedebüt...

Kinder, macht Neues!

Um das zehnjährige Bestehen des Linzer Opernhauses zu feiern, ist eine neue «Meistersinger»-Inszenierung eine gute Wahl. Noch dazu, wenn Markus Poschner und das Bruckner Orchester so transparent, so packend aufspielen und Paul-Georg Dittrich (Regie) und Sebastian Hannak (Bühne) sich der Szene derart originell annehmen. Selbst kecke Eingriffe – ein Kinderchor...

Grauschwarzweißkariert

Ein Mann, kein Schuss, kein Tod. So geht (sehr frei nach einem Buch des famosen und fußballbegeisterten Feuilletonisten Helmut Böttiger) Oper, wenn die Regie es will, auch in Tschaikowskys «Eugen Onegin». Also steht David Lees Lenskij, der seine letzten Worte vorher mit berührender Innigkeit gesungen hatte, einfach wieder auf, nachdem ihn Eugen Onegin (ein...