Editorial 6/23
Letzte Dinge haben den Menschen schon immer interessiert, im Grunde seit jenem (sonnigen?) Tage, an dem er die Erde betrat, um sie und alles, was darauf herumkreuchte und -fleuchte, sich untertan zu machen. Insbesondere Endzeitvisionen waren von jeher in Mode, die Mächte des Thanatos mindestens so virulent wie die seines Kontrahenten Eros. Von den apokalyptischen Schreckensbildern in der Offenbarung des Johannes bis zu aktuellen Kassandra-Rufen über den prekären Zustand des Planeten reicht die Liste jener Pamphlete, die ungeschminkt die Vergänglichkeit alles Seienden proklamiert haben.
Und sogar auf dem Theater, jenem locus amoenus, der doch eigentlich auserkoren war, die Schönheit zu suchen, ging die Welt zugrunde – in Karl Kraus’ zutiefst düsterem Schauspiel über den Ersten Weltkrieg und dessen Verwerfungen «Die letzten Tage der Menschheit».
Auch die nachhaltigste aller Künste, die Oper, durfte von solchen Visionen nicht verschont bleiben. Oft schon haben pessimistisch gesinnte Geister ihr Ende ausgerufen, ohne dass die Gattung von der Bildfläche verschwunden wäre. Nun ist ein Buch erschienen, das erneut einem Angstaufschrei ähnelt und sich dezidiert auf Kraus’ megalomanes ...
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Opernwelt Juni 2023
Rubrik: Editorial, Seite 1
von Jürgen Otten
Von Venedig nach Neapel: Nach Cavallis «La Calisto» zeigt das Teatro alla Scala nun «Li zite ’ngalera» (Die Verlobten auf der Galeere) von Leonardo Vinci und fügt seiner Auseinandersetzung mit dem Barockmusiktheater ein Stück hinzu, das bisher im Mailänder Spielplan fehlte. Bei Vincis Oper handelt es sich um eine Commedia per musica – die erste, deren Manuskript...
Eines war schon vorab klar: Puccinis Tragedia giapponese soll anders erzählt, neu erklärt werden. Nur, wie kann das gehen? Die österreichische Schauspielerin und Regisseurin Angelika Zacek, eine gebürtige Wienerin, ausgebildet im Fach Regie an der Hochschule Ernst Busch in Berlin, hat am Anhaltischen Theater Dessau jetzt ihre zweite Operninszenierung abgeliefert....
Manchmal muss man improvisieren. Wegen eines Wasserschadens im Dezember 2022 ist die Bühne im Pfalztheater Kaiserlautern nach wie vor nicht bespielbar. Für die Produktion von Donizettis «L’elisir d’amore» musste ein Ausweichquartier gefunden werden. Die mehrfach verschobene Premiere fand nun in einem Zirkuszelt neben dem Kaiserslauterer Warmfreibad statt. Belcanto...
