Verbrannt
Gegenwart, grausame Gewissheit, ist eigentlich nie. Und wenn, dann nur als Gespenst, das durch die Kulissen des Lebens huscht; flüchtige Passage zwischen Vergangenheit und Zukunft; Goethe wusste schon um die Vergeblichkeit des Versuchs, den Augenblick fesselnd zu fassen. Eine aber ist da, die genießt das Transitorische, den Gedanken, das alles, was war und noch ist, bald nicht mehr sein wird, und dass die Sekunde naht, da Freund Hein sie zärtlich in die Arme nimmt, sie, die einst umschwärmte Helena von Paris. Längst widert sie das Leben an, alles Menschliche um sie herum.
Und nur noch eines will die alte Gräfin: sterben. Jetzt, augenblicklich. Ach wüsste sie nur, wie nah das (Un-)Glück ist.
Grandios, wie Hanna Schwarz diese Innenschau gestaltet. Grandios aber auch, wie Hans Neuenfels dieses zweite Bild des zweiten Akts konfiguriert. Der mondän-grauschwarze Casinosaal, den Christian Schmidt ins große Festspielhaus gebaut hat, verengt sich zum weiß-sterilen Krankenhauszimmer, das lästige Personal ist verscheucht, auf einem Stuhl klebt nun die kahle Sängerin, ohne das hennarote Pagenkopftoupet, ohne ihr giftgrünes Cocktailkleid und die feuerroten Handschuhe, bekleidet nur noch mit ...
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Opernwelt September/Oktober 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Jürgen Otten
Um halb zehn kommen die Jagdflieger. Zeit für den Mörike-Moment: «Über das Haupt stürzt dir krachend das Himmelsgewölb’». Minutenlang ist das große Festspielhaus zu Salzburg erfüllt vom Dröhnen der Maschinen, vom Geräusch einschlagender Bomben, von undefinierbarem Geschrei. Es ist das pure Grauen des Kriegs, das sich hier, in elektronisch verstärkten Tönen und...
Die Stadt ist fast so alt wie die «Oper», das aus Europa importierte unmögliche Kunstwerk: 1607 gegründet, erklärten die Spanier Santa Fe schon 1610 zum Verwaltungszentrum der Kolonie Nuevo Mexico – zehn Jahre bevor die ersten Siedler aus England an der Ostküste, in Plymouth Rock landeten. Später, im Zeitalter der großen Trecks gen Westen, machten unzählige...
Manches kleinere sommerliche Musikfest hängt im Wesentlichen an einer einzigen Person. So die splendide Initiative des kürzlich verstorbenen Dirigenten Enoch zu Guttenberg, der sich im auratischen Kunst-Ort Herrenchiemsee gleichsam als musikalischer Wiedergänger Ludwigs II. zelebrierte; ähnlich autoritativ Gustav Kuhn im eigens für ihn erbauten Festspielhaus im...
