Männerfantasien

Wagner: Tannhäuser
Saarbrücken | Staatstheater

Elf Jahre leitete Dagmar Schlingmann als Intendantin die Geschicke des Saarländischen Staatstheaters, eine überdurchschnittlich lange Zeitspanne für Häuser jeder Größenordnung, Indiz zudem für eine erfolgreiche Tätigkeit – mit guter Publikumsresonanz, was angesichts der ewigen Finanznöte im kleinsten deutschen Flächenbundesland nicht unerheblich ist. Als Regisseurin war sie, vom Schauspiel kommend, auch außer Haus gefragt; zu ihren Saarbrücker Dauerbrennern gehörten «Tosca» und insbesondere Rossinis «Barbiere», Letzterer eine komödiantische Feinarbeit.

«Tannhäuser», die letzte Musiktheatertat der Schlingmann-Ära, ist grosso modo wohl immer noch die Wagneroper mit der beträchtlichsten gemeinsamen Schnittmenge von romanisch inspiriertem Stimm- und Effektfeuer und romantisch-deklamatorischem Tiefsinn. Die antagonistischen Mächte der Venus- und der Elisabeth-Sphäre ergeben ein dankbar kontrastives dramatisches Potenzial. Dass es sich dabei weithin um ideologisch präparierten Illusionismus handelt, also um Männerfantasien einer Ritter- oder Bürgergesellschaft, machte die Rezeption immer schon auf unterschiedliche Weise deutlich – bis hin zur Praxis, die beiden weiblichen Hauptrollen ...

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Opernwelt August 2017
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich

Vergriffen
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Spielpläne Ausland August 2017

Argentinien

Buenos Aires
Teatro Colón

Tel. +54-1-382 23 89
www.teatrocolon.org.ar
– Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny: 22., 25., 26., 27., 29.

Buenos Aires Lírica
Tel. +54-11-48 12 63 69
www.balirica.org.ar
– La Bohème: 11., 13., 17., 19.

Australien

Adelaide
State Opera of South Australia

Tel. +61-8-82 26 47 90
www.saopera.sa.gov.au
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