Mängelwesen

Wagner: Das Rheingold
Düsseldorf | Oper am Rhein

Am schönsten gesungen (nämlich: gesungen!) wird am Anfang – in einem fragwürdigen Etablissement des späten 19. Jahrhunderts. Dieter Richters Einheitsraum taugt als Habitat für die kranke Familie Wotan ebenso wie für leichte, Absinth trinkende Rheinmädchen. Und so leicht, wunderbar gemischt, wie selbstverständlich beieinander betören Anke Krabbe, Maria Kataeva und Ramona Zaharia den Underdog Alberich, dass es mit dem Weialaweia gar kein Ende nehmen müsste.

Nimmt es aber, und im weiteren Verlauf ist dann allzu oft zu hören, wie Deklamation, verstanden als «Ausdruck», kompensieren muss, was an Volumen fehlt. Beim klumpfüßigen, zahnlückigen Alberich von Michael Kraus mag das noch angehen; bei Simon Neals Wotan indes schmerzt es, wenn sich schon bei «Der Wonne seligen Saal» die nötige göttlich-baritonale Flughöhe nicht einstellen will.

Es gab Zeiten, da kurvten im deutschen Opernregietheater dauernd Rollstühle über die Bühne, inspiriert durch einen immer irgendwie kritischen Impuls. Bestimmt auch bei Dietrich W. Hilsdorf, der seine Meriten als Störenfried eines affirmativen Repertoirebetriebs in den vergangenen 40 Jahren wohlverdient hat. Hilsdorf beschreibt die Beziehungen seiner ...

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Opernwelt August 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Holger Noltze

Vergriffen
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