Mängelwesen
Am schönsten gesungen (nämlich: gesungen!) wird am Anfang – in einem fragwürdigen Etablissement des späten 19. Jahrhunderts. Dieter Richters Einheitsraum taugt als Habitat für die kranke Familie Wotan ebenso wie für leichte, Absinth trinkende Rheinmädchen. Und so leicht, wunderbar gemischt, wie selbstverständlich beieinander betören Anke Krabbe, Maria Kataeva und Ramona Zaharia den Underdog Alberich, dass es mit dem Weialaweia gar kein Ende nehmen müsste.
Nimmt es aber, und im weiteren Verlauf ist dann allzu oft zu hören, wie Deklamation, verstanden als «Ausdruck», kompensieren muss, was an Volumen fehlt. Beim klumpfüßigen, zahnlückigen Alberich von Michael Kraus mag das noch angehen; bei Simon Neals Wotan indes schmerzt es, wenn sich schon bei «Der Wonne seligen Saal» die nötige göttlich-baritonale Flughöhe nicht einstellen will.
Es gab Zeiten, da kurvten im deutschen Opernregietheater dauernd Rollstühle über die Bühne, inspiriert durch einen immer irgendwie kritischen Impuls. Bestimmt auch bei Dietrich W. Hilsdorf, der seine Meriten als Störenfried eines affirmativen Repertoirebetriebs in den vergangenen 40 Jahren wohlverdient hat. Hilsdorf beschreibt die Beziehungen seiner ...
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Ja, dergleichen passiert, wenn Frauen zu sehr lieben. Dann gibt es Ärger, weil nicht der Mann vor Ort ist, dem die tiefe Neigung gilt. In Mozarts jugendlichem Geniestreich, der viel zu selten auf der Bühne zu erleben ist, trifft es Aspasia, die Verlobte des Königs. Der hat sich, um die Tugend seiner Söhne zu überprüfen, totgemeldet und muss nun den Tatsachen tief...
Was kann, soll, muss Theater in schwierigen Zeiten leisten? Kann es im Spiel tatsächlich das kritische Bewusstsein erweitern, oder verspielt es eher seine Möglichkeiten, wie Peter Handke einmal meinte? Es war im legendären Jahr 1968, als der (damalige) Wahl-Grazer in «Theater heute» eben dieses spielerische Moment infrage stellte: Theater sei dermaßen bestimmt,...
Ungezählte Male ist es passiert seit der Premiere Anno 1972 und noch immer passiert es: Wenn der Vorhang zum zweiten Akt aufrauscht, den Blick freigibt auf Faninals bekronleuchtertes Silbertraum-Palais, wird im Münchner Nationaltheater applaudiert. Eine legendäre «Rosenkavalier»-Szenerie wird gefeiert. Und mit ihr sein Urheber, neben Karl-Ernst Herrmann und Achim...
