Mängelwesen

Wagner: Das Rheingold
Düsseldorf | Oper am Rhein

Opernwelt - Logo

Am schönsten gesungen (nämlich: gesungen!) wird am Anfang – in einem fragwürdigen Etablissement des späten 19. Jahrhunderts. Dieter Richters Einheitsraum taugt als Habitat für die kranke Familie Wotan ebenso wie für leichte, Absinth trinkende Rheinmädchen. Und so leicht, wunderbar gemischt, wie selbstverständlich beieinander betören Anke Krabbe, Maria Kataeva und Ramona Zaharia den Underdog Alberich, dass es mit dem Weialaweia gar kein Ende nehmen müsste.

Nimmt es aber, und im weiteren Verlauf ist dann allzu oft zu hören, wie Deklamation, verstanden als «Ausdruck», kompensieren muss, was an Volumen fehlt. Beim klumpfüßigen, zahnlückigen Alberich von Michael Kraus mag das noch angehen; bei Simon Neals Wotan indes schmerzt es, wenn sich schon bei «Der Wonne seligen Saal» die nötige göttlich-baritonale Flughöhe nicht einstellen will.

Es gab Zeiten, da kurvten im deutschen Opernregietheater dauernd Rollstühle über die Bühne, inspiriert durch einen immer irgendwie kritischen Impuls. Bestimmt auch bei Dietrich W. Hilsdorf, der seine Meriten als Störenfried eines affirmativen Repertoirebetriebs in den vergangenen 40 Jahren wohlverdient hat. Hilsdorf beschreibt die Beziehungen seiner ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Panorama, Seite 36
von Holger Noltze

Vergriffen
Weitere Beiträge
Noch mal davongekommen

Es ist gerade mal zwölf Monate her, da drohte das größte Freiluftopernfestival der Welt, seit 1913 ob seiner großartigen Bühnenspektakel gerühmt, unrettbar in den Bankrott zu schlittern. Eine angesichts ungebrochener Popularität paradoxe Situation, die auf das inkompetente Management des Veroneser Bürgermeisters Flavio Tosi und des von diesem engagierten...

Kein bisschen alt geworden

Am Anfang ist schon alles vorbei: Das Personal von Aribert Reimanns «Gespenstersonate» nach August Strindberg liegt in der neuen Produktion der Staatsoper in der Schiller-Theater-Werkstatt am Boden. Bis ein junger Mann hereinstürzt, der Student Arkenholz – nun regen sich die Toten, raffen ihre alten Rollen zusammen, um sie noch einmal zu spielen.

Otto Katzameier,...

Von Menschen und Molchen

Das Stück inszeniert sich eigentlich von selbst. Viele Regisseure begnügen sich damit, für Büchners frühen Naturalismus triste Bilder der Hoffnungslosigkeit zu entwerfen, ergänzt um grelle Satiren auf Militarismus, Männergeilheit und wertfrei forschende Wissenschaft. Der gemeine Soldat und Gelegenheitsarbeiter Wozzeck ist Opfer einer menschenverachtenden...