Kein bisschen alt geworden

Reimann: Die Gespenstersonate
Berlin | Staatsoper im Schiller Theater

Opernwelt - Logo

Am Anfang ist schon alles vorbei: Das Personal von Aribert Reimanns «Gespenstersonate» nach August Strindberg liegt in der neuen Produktion der Staatsoper in der Schiller-Theater-Werkstatt am Boden. Bis ein junger Mann hereinstürzt, der Student Arkenholz – nun regen sich die Toten, raffen ihre alten Rollen zusammen, um sie noch einmal zu spielen.

Otto Katzameier, im Hauptberuf begnadeter Bariton neuer Musik, hat Reimanns bereits 26-mal produziertes Erfolgsstück inszeniert – in Berlin ist es schon die dritte Produktion seit der Uraufführung 1984 durch die Deutsche Oper im Hebbel-Theater. Die Ausstattung beschränkt sich weitgehend auf einen großen Tisch – die Inszenierung kann also auch nach dem Umzug ins Haus Unter den Linden problemlos nachgespielt werden – entwickelt aber dennoch einen erheblichen Sog. Dass sich sämtliche Bewohner dieses Hauses etwas vormachen und niemand der ist, der er vorgibt zu sein, wird zum Grundprinzip von Katzameiers Regie: Direktor Hummel etwa wirkt ausgesprochen agil beim Versuch, den Studenten in diese hermetische, von Welt und Luft abgeschlossene Sphäre zu ziehen; erst spät setzt er sich in den Rollstuhl und simuliert Alter und Krankheit.

Damit zieht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2017
Rubrik: Panorama, Seite 34
von Peter Uehling

Vergriffen
Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps August 2017

alpha

06.08. – 20.15 Uhr
Verdi: Un ballo in maschera

Aus der Bayerischen Staatsoper München (2016)
ML: Mehta, I: Erath, S: Harteros, Beczala u. a.

13.08. – 20.15 Uhr
Offenbach: Les contes d'Hoffmann

Aus der Bayerischen Staatsoper München (2011)

15.08. – 11.00 Uhr
Jansons in Tokio – Der Beethoven-Zyklus: Symphonie Nr. 6

20.08. – 20.15 Uhr
Mussorgsky: Chowanschtschina

A...

Ewig währendes Unrecht

Er hatte mit seinen Opern ein ähnliches Glück (oder Unglück, je nach dem) wie mit seinen Symphonien: Einige werden gelegentlich gespielt, doch viel zu selten. Im Vergleich zu zwei grandiosen Orchesterwerken allerdings, «Parabel» und dem Klavierkonzert «Incantations», ist Bohuslav Martinůs zur gleichen Zeit entstandene, erst posthum, 1961 uraufgeführte Oper «Die...

Der junge und der reife Verdi

Hieße der Komponist nicht Verdi, kein Mensch würde seinen Erstling «Oberto» aus dem Jahr 1839 kennen. Hin und wieder – besonders im Terzett des ersten und im Quartett des zweiten Aktes – blitzt das Talent des 26-Jährigen auf. Im Ganzen aber fällt das dramaturgisch unbeholfene Stück musikalisch nicht nur weit hinter Donizettis Spätwerke, sondern auch hinter die...