Madama, Poesia!
Eigentlich ist sie ein Morgenmensch. Wenn die ersten Sonnenstrahlen in ihr Schlafzimmer dringen, springt Eleonora Buratto aus dem Bett. In der Frühe kann sie alles in Ruhe erledigen. Nachmittags macht sie gern ein Schläfchen (zumal in der Sommerhitze), und ab 22.30 Uhr wird sie allmählich müde. Wie verträgt sich ein solcher Biorhythmus mit dem Leben auf der Bühne? Zum Glück gibt es ja noch das Adrenalin am Abend, versichert sie vergnügt. Doch am liebsten wäre der Sängerin ein Aufführungsbeginn um 17 Uhr, «das wäre perfekt», 19 Uhr ist noch okay.
Wir treffen uns auch an einem Vormittag, in einem Café in Bergamo, direkt gegenüber dem Teatro Donizetti. Dort war sie 2006 in einem Konzert für Luciano Pavarotti aufgetreten, als ihm der Donizetti-Preis verliehen wurde und sie seine Studentin war. Wie es dazu kam, schildert sie in einer kleinen Spielszene: Am Konservatorium ihrer Heimatstadt Mantua war sie als «leichter» (leggero) Sopran eingestuft worden, aber ihr Lehrer war nicht sicher, ob sich ihre Stimme nicht in ein paar Jahren zu einem lyrischen Sopran entwickeln würde. Dazu wollte er eine zweite Meinung einholen und wandte sich an Pavarotti: «Und er verstand sofort», erzählt ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: Sängerin des Jahres, Seite 16
von Lotte Thaler
Schizophrenie gehört bei ihm zur Karriere. Ab diesem Herbst sitzt Tobias Kratzer an beiden Seiten des Tisches zugleich, als interpretierender Künstler und als jener, der das alles bezahlt: als Herr über die Hamburgische Staatsoper. Eine Persönlichkeitsspaltung der anderen Art hat er schon hinter sich, 2008 war das. Beim Ring Award in Graz trat der gebürtige...
Eine Oper wollte die Komponistin Rebecca Saunders eigentlich nie schreiben. Nun hat sie es doch getan und an der Deutschen Oper Berlin mit «Lash – Acts of Love» ein Stück präsentiert, das auf der Opernbühne neue Wege einschlägt. Handlung? «Ganz profan gesagt, geschieht wenig. Eine Frau, die in vier Frauen aufgeteilt ist, oder besser: in vier Facetten ihrer selbst,...
Musik: Atem der Statuen. Vielleicht:
Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen
enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen.
Gefühle zu wem? O du der Gefühle
Wandlung in was? –:
in hörbare Landschaft.
Du Fremde: Musik. Du uns entwachsener
Herzraum. Innigstes unser,
das, uns übersteigend, hinausdrängt, –
heiliger Abschied:
da uns das...
