«In Wahrheit singen, ist ein anderer Hauch»
Musik: Atem der Statuen. Vielleicht:
Stille der Bilder. Du Sprache wo Sprachen
enden. Du Zeit, die senkrecht steht auf der Richtung vergehender Herzen.
Gefühle zu wem? O du der Gefühle
Wandlung in was? –:
in hörbare Landschaft.
Du Fremde: Musik. Du uns entwachsener
Herzraum. Innigstes unser,
das, uns übersteigend, hinausdrängt, –
heiliger Abschied:
da uns das Innre umsteht
als geübteste Ferne, als andre
Seite der Luft:
rein,
riesig,
nicht mehr bewohnbar.
Rainer Maria Rilke: An die Musik (11./12. Januar 1918)
Von Januar bis März 1911 unternimmt Rainer Maria Rilke eine Ägypten-Reise, und natürlich lässt er sich bei dieser Gelegenheit eine Nil-Fahrt nicht entgehen. Südlich von Assuan, auf dem Weg zur Insel Philae, hat er ein Erlebnis, welches ihn nach seiner Rückkehr auf Schloss Duino zu einer kleinen Studie inspiriert. «Über den Dichter», heißt sie und darf, auch weil sie nach «seinem Platz und seiner Wirkung innerhalb der Zeit» fragt, mit Fug und Recht als Psychogramm des Dichters gelten. Rilke hat während der Flussfahrt mit einer Barke hinreichend Gelegenheit, den Ruderer einer 16-köpfigen Mannschaft zu beobachten, und was ihn besonders daran fasziniert, ist die Tatsache, dass er ...
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Opernwelt Jahrbuch 2025
Rubrik: 150. Geburtstag, Seite 146
von Jan Verheyen
Unter den zahllosen sonderlichen Gestalten in Dostojewskis Romanen ist er, neben dem fieberrasenden Rodion Romanowitsch Raskolnikow, vermutlich die sonderlichste. Ein Ritter von der traurigen (modernen) Gestalt, mitfühlend und verträumt, weltfremd wie menschenzugewandt, ein Philanthrop mit erkennbarem Hang (und der angeborenen Fähigkeit) zu Agape und Philia, somit...
Eigentlich ist sie ein Morgenmensch. Wenn die ersten Sonnenstrahlen in ihr Schlafzimmer dringen, springt Eleonora Buratto aus dem Bett. In der Frühe kann sie alles in Ruhe erledigen. Nachmittags macht sie gern ein Schläfchen (zumal in der Sommerhitze), und ab 22.30 Uhr wird sie allmählich müde. Wie verträgt sich ein solcher Biorhythmus mit dem Leben auf der Bühne?...
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Gordon Kampe: Mein Gott – Harmonie! Jedes Stück hat ja ohnehin eine...
