Lyrisches Mosaik
Im Moskauer Saz-Kindermusiktheater wird die große Bühne saniert, alle Aufführungen finden deswegen auf der kleinen Bühne statt. Ende Juni zeigte man dort «Rotkäppchen» von César Cui, dem Mitglied des «Mächtigen Häufleins». Der Komponist schrieb seine Kinderoper 1911 ausdrücklich für Zarewitsch Alexej, den kranken Sohn Nikolai II. Allein für den maladen Thronfolger sollte das Bühnenwerk aufgeführt werden, und zwar von einer «weiblichen Truppe». Doch dazu kam es nicht mehr. Das Projekt zog sich hin, wenig später begann der Erste Weltkrieg.
Die Revolution zog herauf, sämtliche Mitglieder der Zarenfamilie wurden erschossen. Die russisch-orthodoxe Kirche sprach Nikolai II. und seine Familie als Märtyrer heilig, was noch heute zuweilen hysterische Reaktionen hervorruft.
Nun also kam «Rotkäppchen» ins Saz-Kindermusiktheater, ohne Alexej, aber vom Publikum bestaunt. Der Regisseur Georgij Issaakjan entfaltet vor unseren Augen kleine «Museumstheaterstücke». Ein Erzieher namens «Cui» führt den Zarewitsch an der Hand; dieser setzt sich, mit einem Plüschbärchen in der Hand, gehorsam in den Sessel des Thronfolgers. Dann singen wohlanständige Damen und junge Mädchen (Mitglieder der Zarenfamilie, ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Magazin, Seite 102
von Alexej Parin
«Allons gay gayment», «Auf geht's fröhlich», beginnt die Sängerrunde mit einer Chanson von Claude Le Jeune. Und klar: Wir folgen auch diesmal gern, wenn William Christie mit seinen Les Arts Florissants in der nun schon dritten CD die Kunst der Airs de cour erkundet, die als höfische Liedform Frankreich von der zweiten Hälfte des 16. bis zur Mitte des 17....
Es gibt Künstler, deren Ästhetik wie Œuvre relativ homogen, wenn nicht gar monolithisch wirken: Bei aller Entwicklung, auch Variabilität, wirken sie quasi einschichtig, kaum durch Brüche, Widersprüche gefährdet. Was hohe Komplexität keineswegs ausschließt. Komponisten wie Mussorgsky, Bruckner, Webern, Varèse eindimensional zu nennen, käme einem schwerlich in den...
Robert Wilson
Damals, im Sommer 1976, geschah der Musiktheater-Umsturz: Robert Wilson, 34-jähriger Texaner, präsentierte in Old Europe eine Kreation mit dem rätselhaft absurden Titel «Einstein on the Beach», die Minimal Music dazu lieferte der Amerikaner Philip Glass. Das Stück hatte von Avignon aus Furore gemacht, mit Gastspielen in einigen Theatermetropolen....
