Lyrisches Mosaik
Im Moskauer Saz-Kindermusiktheater wird die große Bühne saniert, alle Aufführungen finden deswegen auf der kleinen Bühne statt. Ende Juni zeigte man dort «Rotkäppchen» von César Cui, dem Mitglied des «Mächtigen Häufleins». Der Komponist schrieb seine Kinderoper 1911 ausdrücklich für Zarewitsch Alexej, den kranken Sohn Nikolai II. Allein für den maladen Thronfolger sollte das Bühnenwerk aufgeführt werden, und zwar von einer «weiblichen Truppe». Doch dazu kam es nicht mehr. Das Projekt zog sich hin, wenig später begann der Erste Weltkrieg.
Die Revolution zog herauf, sämtliche Mitglieder der Zarenfamilie wurden erschossen. Die russisch-orthodoxe Kirche sprach Nikolai II. und seine Familie als Märtyrer heilig, was noch heute zuweilen hysterische Reaktionen hervorruft.
Nun also kam «Rotkäppchen» ins Saz-Kindermusiktheater, ohne Alexej, aber vom Publikum bestaunt. Der Regisseur Georgij Issaakjan entfaltet vor unseren Augen kleine «Museumstheaterstücke». Ein Erzieher namens «Cui» führt den Zarewitsch an der Hand; dieser setzt sich, mit einem Plüschbärchen in der Hand, gehorsam in den Sessel des Thronfolgers. Dann singen wohlanständige Damen und junge Mädchen (Mitglieder der Zarenfamilie, ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Magazin, Seite 102
von Alexej Parin
Herr Karaman, der Schriftsteller und Dramatiker Peter Hacks schreibt in seinem wunderbaren Buch «Marxistische Hinsichten», Kunst sei nicht für die Utopien zuständig, sondern für die realistische Darstellung der Welt; man müsse zeigen, was ist. Ist das eine Idee, mit der Sie etwas anfangen können?
Unbedingt! Das ist mir sogar sehr nahe. Denn die Arbeit am Theater...
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Mit Lullys «Cadmus et Hermione» begann die Geschichte der Tragédie en musique, der großen französischen Oper. Jean-Baptiste Lully und sein Textdichter Philippe Quinault vereinigten 1673 mehrere Theatergenres zu einer neuen Gattung, die sich in Frankreich rund 100 Jahre zu behaupten vermochte.
Die klassische Tragédie en musique, ein alle Register der Bühnenkunst...
