Herzensangelegenheiten
«Allons gay gayment», «Auf geht's fröhlich», beginnt die Sängerrunde mit einer Chanson von Claude Le Jeune. Und klar: Wir folgen auch diesmal gern, wenn William Christie mit seinen Les Arts Florissants in der nun schon dritten CD die Kunst der Airs de cour erkundet, die als höfische Liedform Frankreich von der zweiten Hälfte des 16. bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts prägten.
Hört man beim 1530 geborenen Claude Le Jeune noch die Polyphonie des Renaissancezeitalters nachklingen, so sind die Airs seiner Nachfolger bereits vom Ideal einer neuen Schlichtheit und von Einflüssen der Volksmusik geprägt. Einzeln, im Trio oder im Rundgesang mit Refrain lässt sich das exquisite fünfköpfige Sängerensemble hören; in der ebenfalls fünfköpfigen Instrumentalistenrunde dominiert oft die Theorbe als Begleitinstrument, wie später und bis in den Gegenwartspop die Gitarre. Aus der riesigen Auswahl – auf etwa 2.300 Airs de cour schätzt das Booklet die Gesamtzahl der gedruckten Lieder – hat Christie immer wieder auch halbszenische Abende zusammengestellt, was sich besonders bei einigen dialogisch angelegten Airs aufdrängt. Etwa in «Souffrez, beaux yeux pleins de charmes» von Étienne Moulinié, in dem ...
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Opernwelt September/Oktober 2021
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 52
von Michael Stallknecht
Es war ein durch und durch imposantes Bild: Sichtlich bewegt, dabei auf Social Distancing bedacht, hatten sich Hunderte von New Yorker Musikliebhabern rund um die Open-Air-Bühne des Lincoln Center im Damrosch Park versammelt, um die erste Opernaufführung überhaupt seit dem Lockdown im März 2020 mitzuerleben. Das grüne Areal – benannt ist es nach Leopold Damrosch,...
Wie oft bewährt sich die Kunst eines großen Sängers in Liedern, die schwerlich als «groß» zu bezeichnen sind – wie zum Beispiel in jenen Canzoni Napoletane, die, wie Adorno in seiner Musiksoziologie (1962) feststellte, «zwischen Kunstlied und Gassenhauer wunderlich die Mitte halten». Die Frage, ob sie im Verlauf des 20. Jahrhunderts diesen Charakter behalten...
Hätte die letzte Spielzeit von Nikolaus Bachler als Intendant der Bayerischen Staatsoper nicht unter dem Signum der Corona-Maßnahmen gestanden, sie wäre wohl tatsächlich seine glanzvollste geworden. Schließlich hatte Bachler, der es so gern glänzend (und manchmal auch einfach nur hochglänzend) liebte, sie als geschichtsbewusste Summe angedacht: einige der...
