Lyriker mit System

Spätestens seit seinem Debüt als «Rigoletto»-Herzog an der Met ist Piotr Beczala in der Spitzenklasse der internationalen Opernszene angekommen. Dem großen Medienzirkus weicht er gleichwohl aus. Und konzentriert sich auf die richtigen Rollen.

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Eine Repertoireaufführung von Massenets «Werther» an der Bayerischen Staatsoper. Kaum freie Plätze, nach «pourquoi me réveiller» gibt es unvor­gesehenen Zwischen­applaus für Piotr Beczala, am Ende lang anhaltenden Jubel.

Dieser Werther fasziniert durch die Spannung zwischen konzentrierter ­Energie und scheuem Zartgefühl, zwischen Empfindsamkeit und auflodernder Leidenschaft, die sich immer deut­licher ins Selbstzerstörerische wendet: ein der Welt Fremder von Anfang an, der wie von fern den Menschen zusieht, davon träumt, am Leben teilzuhaben und dessen Sehnsucht immer schon den Verlust enthält: ein Zerrissener, dessen Wahrnehmung sich zusehends verdüs­tert und der seine wachsende Verzweiflung in betörendem Überschwang aussingt, so dass über dem tödlichen Abgrund der utopische Wunsch aufleuchtet, alles – er selbst, das Schicksal, die Welt – könnte anders sein, als es ist.
Szenenwechsel. Durch die Terrassenverglasung des Appartmenthotels, in dem Piotr Beczala wohnt, wenn er in München singt, fällt aus einem bewölkten Himmel nüchternes Licht. Der hochgewachsene schlanke Pole mit dichtem drahtlockigem Haarschopf und stahlblauen Augen ist nicht nur auf der Bühne ein attraktiver Mann. In ...

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Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Porträt, Seite 46
von Barbara Maria Zollner

Vergriffen
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