Frauenliebe und -leiden

Das Festspielhaus Baden-Baden etabliert sich mit einem sängerisch hochklassigen «Tannhäuser» als Gegen-Hügel

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Ist’s ein Engel? Glaubt man Wolfram, der das Wort späterhin im «Tannhäuser» benutzt, um seinen abtrünnigen Sangesbruder Heinrich zu retten, müsste man es annehmen. Doch ein Engel würde wohl kaum die «allmächtige Jungfrau» bemühen, um seine zerrüttete Seele in die nötige Balance zu bringen. Und eben dies tut Elisabeth, kaum ist der Chor der Pilger vorübergezogen, in weißes Leinen gehüllt wie sie selbst, in höchster Lebensnot. Eine Wandlung geht hier vor, die musikalisch faszinierend gestaltet ist.

Vom geheiligten, nachgerade gottvollen Es-Dur, jener Tonart, die das Werk beschließen (und damit letztgültig die E-Dur-Erregung des Venusbergs bannen) wird, schleicht die Musik über f-moll zur Dominante von G, einem D-Dur-Dominantseptakkord. Käme nun das Auftrittslied der Elisabeth, «Dich grüß’ ich, teure Halle», würde diese Dominante folgerichtig «landen», in G-Dur. Doch kaum hat das «Gebet» begonnen, verwandelt sich der Akkord in enharmonischer Verwechslung (Fis-Ges) und chromatisch vom C zum Des hinaufrückend in die Dominante der neuen Tonart Ges-Dur. Und dies mit hinreichendem Grund: Es hat sich etwas verändert in dieser Welt. Grundsätzlich.
Und dann steht er da, inmitten der ...

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Opernwelt September/Oktober 2008
Rubrik: Festspiele I, Seite 12
von Jürgen Otten

Vergriffen
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