Lustig, lustig
Je unpoetischer eine Nation oder Zeit ist, desto leichter sieht sie Scherz für Satire an, so wie sie umgekehrt die Satire mehr in Scherz verwandelt, je unsittlicher sie wird.» Jean Pauls Diktum aus seiner «Vorschule der Ästhetik» sollte allen Theatermachern zu denken geben, denen die Komödie und die Opera buffa am Herzen liegen. Nichts ist hier so, wie es zu sein scheint. Dies gilt auch, ja in gesteigertem Maße für Rossinis «Reise nach Reims». Schrieb doch der politisch liberale Italiener die Oper ausgerechnet zur Inthronisierung des reaktionären Franzosen Karl X.
Um Konflikten auszuweichen, reihten er und sein Librettist revueartig einen Spaß an den anderen. Aber dem schwachen Text liegt ein raffinierter Plot zugrunde: Mehrere Adlige aus verschiedenen Ländern, die 1825 zur Krönung Karls X. nach Reims wollen, bleiben in den Vogesen in einem Kurhotel hängen, wo es keine Pferde zur Weiterreise gibt. Die hochgestimmte Erwartung geht in Warten und Langeweile über, bis man schließlich eigenhändig ein Fest arrangiert. Zwar lobpreist die Gesellschaft am Ende den neuen Herrscher, aber der tritt nicht in Erscheinung – eine Krönungsoper ohne gekröntes Haupt mithin, eine subtile ...
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Was man denn bevorzuge? Ein Fragebogen findet sich irgendwann im Mail-Eingang, «mehrfaches Ankreuzen sehr erwünscht»: Schubertiade? Kindergeburtstag? Fußbad? Zuhören und/oder Mitsingen? «Regno della musica – Terra», das zielt quasi auf Kunst à la carte. Ortstermin in der Münchner Fürstenstraße also. Man schaut einer temporären WG beim Proben und Kochen zu, führt,...
Ein gutes Tier ist das Klavier. Still, friedlich und bescheiden steht es auf Gary McCanns Theater-im-Theater-Bühne für Christian Räths Neuinszenierung des «Freischütz» an der Wiener Staatsoper, wird zu einer Art stillem Teilhaber des Abends. Gelegentlich stürzt der Virtuos’ darauf los – in Gestalt von Max, der in dieser Produktion nur nebenbei Jäger, im Hauptberuf...
Giovanni Legrenzi schreibt derart affektpräzise Kurzstreckenarien, dazu nicht minder konzis knappe Rezitative, dass er geradezu den Anschein eines durchkomponierten Stils erregt. Auch sein harmonischer Tonartenplan sorgt für einen steten Fluss, der die Handlungsspannung nie abreißen lässt. Dabei fand die Uraufführung von «La divisione del mondo» bereits zum...
