Luft nach oben
Anfangs wurde er von einigen Kolleginnen und Kollegen für einen Statisten gehalten. Dass ein derart gutaussehender Junge vortrefflich singen könne, dazu noch höchst anspruchsvolle Tenorpartien, schien beinahe undenkbar. Aber Jonathan Tetelman vermag es tatsächlich. Mit großem Erfolg verkörperte er beispielsweise an der Deutschen Oper Berlin den Paolo in Riccardo Zandonais dynamisch aufgeheizter D’Annunzio-Vertonung «Francesca da Rimini».
Für den chilenischen Sänger ist Paolo jener «vergessliche hübsche Junge, der herumhängt und Bücher liest», bis er (der für seinen Bruder bestimmten) Francesca begegnet und daraufhin entsprechend entflammt zu singen beginnt – eine womöglich etwas eigentümliche Charakterisierung für den erotischen Superhelden in einer Oper mit leicht präfaschistischem Einschlag. Aber genauso singt ihn Tetelman auch auf seinem Debütalbum, einer Melange aus Arien von Ponchielli, Giordano, Verdi, Flotow, Bizet, Cilea, Massenet, Mascagni, Puccini – und eben jenem «Francesca da Rimini»-Duett.
Tetelman gebietet über einen hellen klaren, nach vorne gelagerten Tenorklang – absolut sauber in der piano geführten Kopfstimme, strahlend im überlang gehaltenen hohen C von ...
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Opernwelt 11 2022
Rubrik: CD, DVD, Buch, Seite 33
von Bernd Künzig
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